Regisseur Michael Verhoeven im Cinemaxx Heilbronn. Foto: Guido Sawatzki
Regisseur Michael Verhoeven im Cinemaxx Heilbronn. Foto: Guido Sawatzki

veröffentlicht am 22.04.2009 in der Heilbronner Stimme

 

Von Fachmännern und anderen Übeltätern

von Michaela Adick

 

Heilbronn - „Und ich hatte gedacht, ich bekäme es mit einer Herde vom Typus der Gestapo-Männer zu tun.“ Weit gefehlt. „Es war viel undramatischer.“ Regisseur Michael Verhoeven - 1982 drehte er die „Weiße Rose“, 1990 wurde er für „Das schreckliche Mädchen“ für den Oscar nominiert - schüttelt den Kopf.

Natürlich bekam er es bei seiner Film-Recherche, die ihn dieses Mal in die Untiefen der Arisierung führen sollte, mit dem ganz normalen deutschen Beamten zu tun, der brav seine Akten führte. Bürokraten waren es, die die Enteignungslisten aufstellten, Steuerbeamte sperrten Vermögenswerte, Nachbarn der enteigneten Juden waren es, Profiteure, Schnäppchenjäger, die Ende der 30er Jahre das Hab und Gut ersteigerten. Und dafür eine Quittung bekamen. Ordnung muss sein.

Einnahmequelle Die Möbel und Mäntel, die Bücher und Bilder jener Menschen, die in die Vernichtungslager deportiert wurden, wurden so nicht nur unters Volk gebracht: Das Dritte Reich hatte gleichzeitig eine Einnahmequelle zur Finanzierung des Krieges bekommen. Beklemmend still ist es nach der Vorführung der Dokumentation „Menschliches Versagen“ im Kommunalen Kino im Cinemaxx geworden. Was für ein perfides System, das, und das ist die eigentliche Überraschung, erst vor sechs Jahren eher zufällig aufgedeckt worden ist.

Wolfgang Dreßler, einem Düsseldorfer Historiker, ist es zu verdanken, dass in der Oberfinanzdirektion Köln 20 000 Akten mit so genannten jüdischen Vermögenserklärungen entdeckt wurden.

Irgendeinem muss dieser Fund ein Dorn im Auge gewesen sein: Über Nacht sind die Akten verschwunden. „Aber wie verschwunden sind sie?“, fragt Verhoeven. Fürchtet jemand Restitutionsansprüche? Der Berliner Historiker Götz Aly, der in seinem Buch „Hitlers Volksstaat“ von einer Gefälligkeitsdiktatur sprach, einer Diktatur von der die Deutschen profitierten, tritt in der Doku als Kronzeuge auf. Einigen Einzelschicksalen ist Michael Verhoeven nachgegangen, er hat Überlebende gefunden, sie mit den Listen konfrontiert.

Nach dem Krieg Die Täter klammert er weitgehend aus. „Ich wollte ja nicht Kripo spielen.“ Aber richtig gewundert hat es ihn nicht, dass der Präsident der Oberfinanzdirektion Köln nach dem Krieg dort weiter wirken konnte, wo er während des Krieges tätig war. Erst enteignete er die Juden, später war er für die Restitutionsansprüche zuständig. „Er war schließlich der Fachmann.“