Unser Programm Oktober - Dezember 2004: Schwerpunkt "Marlon Brando"

Mittwoch, 6.10.2004 „Marlon Brando“
Apocalypse Now Redux
USA 2001, 203 Min., FSK: 16
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: Francis Ford Coppola, Joseph Conrad
Darsteller: Harrison Ford, Marlon Brando, Dennis Hopper, Laurence Fishburne, Robert Duvall, Scott Glenn, Martin Sheen
Captain Willard mit seiner Crew auf gefährlicher Mission: im heißen Dschungel des Vietnamkriegs den außer Kontrolle geratenen Colonel Kurtz (Marlon Brando) zu finden und zu liquidieren.
Es gibt wenige Filme, die diesen speziellen Punkt getroffen haben, der sie zu etwas ganz Besonderem macht: „Apocalypse Now“ ist genau so einer. Francis Ford Coppolas Meisterwerk hatte die wohl erschreckendste Entstehungsgeschichte, die je ein Film in Hollywood hatte und überzeugte vor allem durch das Fehlen einer wirklichen Handlung, denn der Film war ein rein emotionaler Trip in die tiefste Seele der menschlichen Gemeinschaft. Mit der „Redux“-Fassung präsentiert Regisseur Coppola nun eine neue Fassung des Klassikers. Das neue Bild strotzt nur so vor brillanten Farben, der Ton wurde vollkommen neu aufgenommen und präsentiert sich in perfektem Surround-Klang. Allein das technische Ergebnis macht die „Redux“-Fassung zu einem Kino-Muss. Wer es verpasst, ist kein echter Filmfan.


Eine Veranstaltung der Stadtbibliothek Heilbronn: Frank Goosen liest aus „Mein Ich und sein Leben“ am Donnerstag, 7.10. um 20 Uhr in der Stadtbibliothek im K3.

Mittwoch, 13.10.2004
Liegen lernen
Deutschland 2003, 94 Min.
Regie und Drehbuch: Hendrik Handloegten
Buchvorlage: Frank Goosen
Darsteller: Sophie Rois, Susanne Bormann, Florian Lukas, Fabian Busch, Fritzi Haberlandt, Birgit Minnichmayr
„Ich möchte wirklich mal wissen, wie du so ein gefühlsgehemmter, bindungsunfähiger und feiger Penner geworden bist.“ Helmut ist geschockt: Die Worte seiner Freundin Tina sitzen! Er weiß: Tina hat Recht.
Helmut tritt den Weg zurück in die 80er Jahre an: Zurück nach Westdeutschland, in ein kleinbürgerliches Elternhaus, zurück zur Musik der Zeit, einer Klassenfahrt ins geteilte Berlin, den Nicaragua-Arbeitsgruppen und der ersten Liebe: Britta ... und wie es wirklich war.
Die romantische Komödie, nach dem gleichnamigen Bestseller von Frank Goosen, ist eine Liebeserklärung an die Unentschiedenheit der Jugend und erzählt mit viel Witz und Ironie die Geschichte von Helmut und seinen verpassten Chancen im Leben wie in der Liebe.


Mittwoch, 20.10.2004
Verloren im Irak
(GAMGASHTEI DAR ARAGH)
Iran 2002, 97 Min.
Regie und Drehbuch: Bahman Ghobadi
Darsteller: Alahmorad Rashtiani, Fa'eq Mohamadi, Iran Ghobadi
„Verloren im Irak“ ist ein Insiderportrait des kurdischen Volks. Bahman Ghobadi bewegt sich auf dem Terrain surrealer Komik, die er schließlich zu einem bewegenden filmischen Werk entwickelt. Er zeigt die Kurden an den Grenzen von Iran und Irak nicht nur als Opfer. Es sind auch Menschen, die Musik, Kinder und das Leben lieben.
Kurz nach dem iranisch-irakischen Krieg begeben sich der alte Musiker Mirza und seine beiden Söhnen Barat und Audeh auf eine gefährliche Reise in den Norden des Iraks.
Begleitet vom Dröhnen Saddam Husseins Kriegsmaschinerie, führt sie ihr Weg in die schneebedeckten Berge des nördlichen Iraks, in ein Inferno von Elend und Vernichtung.
Doch jeder von ihnen wird dort etwas finden, etwas, womit er am wenigsten gerechnet hat. Und jeder wird ein Stück Hoffnung mit zurückbringen.
„Un Certain Regard“ Cannes 2002
„Official Selection“ Montreal World Film Festival 2002
„Golden Plaque“ Chicago Filmfestival 2002
„Großer Preis“ Sao Paulo Filmfestival 2002


Mittwoch, 27.10.2004
100 Schritte (CENTO PASSI)
Italien 2000, 104 Min.
Regie: Marco Tullio Giordana
Darsteller: Luigi Lo Cascio, Luigi Maria Burruano, Lucia Sardo, Paolo Briguglia, Tony Sperandeo
Nur 100 Schritte liegen zwischen dem Elternhaus von „Peppino“ Giuseppe Impastato und dem von Gaetano Badalamenti, dem Oberhaupt der lokalen Mafia von Cinisi, einem kleinen Ort bei Palermo. Peppino wendet sich schon als Kind gegen Onkel Gaetanos „Organisation“ und die Mauer des Schweigens, die seine Familie umgibt. Dies ist die Geschichte eines jungen Mannes, dessen Zivilcourage ganz Italien aufgerüttelt hat.
2000 wird der Film über Giuseppe Impastatos Leben ein Sensationserfolg in den italienischen Kinos und gewinnt den Preis „Bestes Drehbuch“ in Venedig sowie den Publikumspreis von Sao Paolo.
2001 wird „100 Schritte“ mit 5 italienischen Filmpreisen ausgezeichnet, gewinnt als Bester Europäischer Film das internationale Filmfestival von Brüssel und wird von Italien für den Oscar „Bester fremdsprachiger Film“ und in den USA für den Golden Globe nominiert.


Mittwoch, 3.11.2004 „Marlon Brando“
Queimada – Insel des Schreckens
(QUEIMADA)
Italien 1969, 130 Min., FSK: 16
Regie: Gillo Pontecorvo
Drehbuch: Frandco Solinas, Giorgio Arlorio
Darsteller: Marlon Brando, Evarista Marquez, Renato Salvatori
In geheimer Mission reist der englische Adlige Sir William Walker im Jahr 1815 auf die entlegene Antilleninsel Queimada. Sein Auftrag: Er soll einen Aufstand gegen die portugiesische Herrschaft organisieren, damit England als neue Schutzmacht die wertvollen Zuckerplantagen ausbeuten kann. Mit Hilfe des jungen José Dolores, den er zum Rebellenführer ausbildet, und des Mulatten Teddy Sanchez, der als neuer Präsident eingesetzt wird, gelingt der Plan. Zehn Jahre später kommt Walker erneut auf die Insel. Dieses Mal ist sein Gegner José Dolores, der das falsche Spiel von einst durchschaut hat und nun für die Freiheit seines Landes kämpft.


Mittwoch, 10.11.2004
Fünf Uhr am Nachmittag
Iran/Frankreich 2002, 105 Min., FSK: 6, OmU
Regie: Samira Makhmalbaf
Drehbuch: Mohsen Makhmalbaf, Samira Makhmalbaf
Darsteller: Agheleh Rezaie, Abdolgani Yousefranzi, Razi Mohebi, Marzieh Amiri
Das von Bomben zernarbte Kabul: Ein frommer, alter Kutscher sucht nach einem Ort, an dem er und seine Familie Unterschlupf finden können. Außerdem wartet er auf die Rückkehr seines Sohnes aus Pakistan.
Als aus Pakistan schreckliche Nachrichten eintreffen verlässt der Kutscher in seiner Verzweiflung mit denen, die von seiner Familie übrig geblieben sind, Kabul und sucht eine heilige Zuflucht, weit entfernt von der Stadt.


Mittwoch, 17.11.2004
Die Strategie der Schnecke
(LA ESTRATEGIA DEL CARACOL)
Kolumbien 1994, 112 Min.
Regie: Sergio Cabrera
Drehbuch: Humberto Dorado
Darsteller: Frank Ramirez, Humberto Dorado, Florina Lemaitre, Gustavo Angarita
Im Uribe-Haus wohnt man seit Jahrzehnten in fast unerträglicher Enge: der alte Jacinto Romero, der Anwalt ohne Zulassung, ein junger Revolutionär, ein Pater, Gabriel, der sich als Gabriela verkauft und die Alte, die mit einem Scheintoten lebt.
Sie haben anscheinend keine Chance gegen den neureichen Hausbesitzer, der sie auf die Straße setzen will. Aber die nutzen sie. Denn der Anarchist Jacinto entwickelt einen schlitzohrig-genialen Plan: die Strategie der Schnecke.
Ein Film mit umwerfendem Witz und lateinamerikanischem Charme, populäres lateinamerikanisches Kino im besten Sinne des Wortes: politisch engagiert, aber gleichzeitig mit viel Kraft und Spaß inszeniert.


„25 Jahre Wohnungslosenhilfe der Aufbaugilde Heilbronn“

Mittwoch, 24.11.2004
Der Mann ohne Vergangenheit
(MIES VAILLA MENNEISYYTTÄ)
Finnland/D/F 2002, 97 Min., FSK: 12
Regie und Drehbuch: Aki Kaurismäki
Darsteller: Sakari Kuosmanen, Kati Outinen, Markku Peltola, Juhani Niemelä, Kaija Pakarinen, Aino Seppo
Ein Namenloser, überfallen und ausgeraubt nach einer Zugfahrt und von den Ärzten für tot erklärt, findet sich plötzlich erinnerungslos in einem zweiten Leben wieder. Er siedelt sich in einem Schrottcontainer am Flussufer an, mit Kleidern versorgt ihn die Heilsarmee. Bald erfährt er die scheue Liebe einer Heilsarmistin. Mit Zähigkeit, Phantasie und Überlebenswillen kehrt er ins Leben zurück.
Nach längerer Schaffenspause ist Aki Kaurismäki nun ein kleines Meisterwerk gelungen, das sowohl inhaltlich durch seinen einfühlsam humanistischen Grundton, seine Situationskomik und Lakonie, als auch formal durch satte, warme Farben und eine wunderbare Musik besticht. Der Mann ohne Vergangenheit gehörte zu den Highlights der Filmfestspiele in Cannes 2002 und wurde mit dem „Großen Preis der Jury“ und dem „Preis für die beste Darstellerin“ (Kati Outinen) ausgezeichnet.
„Großer Preis“ Flanders International Film Festival Gent 2002,
„Douglas-Sirk-Preis“ Filmfest Hamburg 2002,
„Bester Film des Jahres“ San Sebastian International Filmfestival 2002.


Beitrag zum Welt-AIDS-Tag in Zusammenarbeit mit Heh! und der AIDS-Hilfe Unterland

Mittwoch, 1.12.2004
Philadelphia
USA 1992, 125 Min.
Regie: Jonathan Demme
Drehbuch Ron Nyswaner
Darsteller: Tom Hanks, Denzel Washington, Jason Robards
Andrew Beckett, Star unter den Anwälten einer großen Kanzlei, wird wegen angeblicher Inkompetenz gefeuert. Der Wahre Grund liegt jedoch in seiner AIDS-Infektion, die er verheimlichte und mit der man in der Firma nicht leben will. Andrew gelingt es, den schwarzen Fernseh-Anwalt Joe Miller nach langem Zögern für seinen Fall zu engagieren. In einem dramatischen Prozess versucht Joe die verlorenen Ehre des Kollegen wieder herzustellen.
„Philadelphia“ war keineswegs die erste, aber die erste große Hollywood-Produktion, die sich der Tabuthemen AIDS und Homosexualität widmete (in Folge auf so gute Independent-Filme wie „Abschiedsblicke“ und „Longtime Companion“). Und „Philadelphia“ hatte Erfolg. Er war nicht nur ein Kassenschlager, sondern gewann auch Oscars für Bruce Springsteens bedrückenden Titelsong „The Streets of Philadelphia“ und für Tom Hanks in der Rolle als schwuler Rechtsanwalt Andrew Beckett.


Mittwoch, 8.12.2004 „Marlon Brando“
Duell am Missouri
(MISSOURI BREAKS)
USA 1975, 121 Min., FSK: 16
Regie: Arthur Penn
Drehbuch: Thomas McGuane
Darsteller: Marlon Brando, Jack Nicholson,Randy Quaid
Der kleine Pferdedieb Tom Logan macht dem mächtigen Rancher David Braxton mächtig Ärger. Deshalb engagiert Braxton den brutalen Killer Lee Clayton, der den Pferdedieben gehörig die Lust am Klauen nehmen soll. Nach mehreren Toten scheint ein Zweikampf zwischen „Regulator“ Clayton und Dieb Logan unvermeidbar.
Regisseur Arthur Penn inszenierte einen eigenwilligen, psychologisch sehr differenzierten Spät-Western. Der Film gewinnt immer dann besonders an Spannung, wenn sich das Tempo der äußeren Handlung verlangsamt. Der Film ist zugleich die Konfrontation zweier großer Stars, beide auf ihre Weise sehr exzentrisch: Brando brilliert als grausamer Kopfgeldjäger, Nicholson als der verhaltene Rächer. Der Kontrast zwischen beiden macht einen besonderen Reiz des Filmes aus.


Mittwoch, 15.12.2004
Broken Wings
(KNAFAYIM SHVUROT)
Israel 2002, 87 Min.
Regie und Buch: Nir Bergman
Darsteller: Orly Silbersatz Banai, Maya Maron, Nitai Gaviratz, Vladimir Friedman, Dana Ivgi
Der tragische Tod des Vaters stürzt die Familie Ulman in eine tiefe emotionale und finanzielle Krise.
Der fünfjährige Bar fühlt sich vernachlässigt, während der zehn Jahre alte Ido plant, den Weltrekord im Turmspringen zu brechen – in ein leeres Schwimmbecken.
Nachdem ein weiterer Tag im Leben der Familie vergeht, beginnt ein unerwarteter Vorfall, alle in eine Richtung zu ziehen. Neue Hoffnung keimt auf und sie erhalten die Chance, ihre gebrochenen Herzen zu heilen.


Mittwoch, 22.12.2004
City of Industry
USA 1997, 97 Min., FSK: 16
Regie: John Irvin
Drehbuch: Ken Solarz
Darsteller: Harvey Keitel, Famke Janssen, Stephen Dorff, Elliott Gould
Als Fahrer eines Fluchtautos ist Skip ebenso spitze wie in seiner Skrupellosigkeit. So wird er von dem Gangster Egan angeheuert, der gemeinsam mit seinem Bruder und dem Freund Montana einen Juwelendiebstahl plant. Alles geht glatt über die Bühne, doch dann dreht Skip plötzlich durch und tötet Montana und Egans Bruder. Auch den Kopf der Bande wollte er erledigen, doch der überlebt schwer verletzt. Von Montanas Witwe wird Egan in langwieriger Kleinarbeit wieder aufgepäppelt. Und jetzt kennt er nur noch ein Ziel: Er will Skip finden und den Tod seines Bruders rächen.


Mittwoch, 29.12.2004 „Marlon Brando“
Don Juan de Marco
USA 1995, 93 Min., FSK: 12
Regie: Jeremy Leven
Darsteller: Johnny Depp, Faye Dunaway, Marlon Brando
Der Fall scheint eindeutig: Ein durchgedrehter junger Mann, dessen Gesicht sich hinter einer Zorromaske verbirgt und der in ein schwarzes Cape gehüllt ist, weiß nicht mehr, wer er ist und will sich aus Welt- und Liebesschmerz vom Hochhaus stürzen.
Für den alternden und routinierten Polizeipsychiater Jack Mickler ist das nur deshalb ein außergewöhnlicher Fall, weil er der letzte seiner langen Karriere vor der Pensionierung sein wird. Ohne Probleme rettet Mickler den Liebeskranken aus Schwindel erregender Höhe und nimmt sich seiner in den letzten zehn Tagen seines Berufslebens an.
In langen Gesprächen berichtet Don Juan von seiner romantischen Odyssee durch die Weltgeschichte, die ihn u. a. auch in einen Harem führte. Jetzt glaubt Don Juan keinen Sinn mehr in seinem Leben zu sehen, weil ihn die „Eine“ der 1.502 Frauen, die er liebte, Doña Ana, zurückwies.
Auch wenn Mickler nicht jedes Wort von Don Juans abenteuerlicher Liebesgeschichte glaubt, so fasziniert ihn doch die Botschaft des unverbesserlichen Romantikers – die ewige Liebe.


Marlon Brando

Er war wohl – neben James Dean – einer der bekanntesten „jungen Rebellen“ der Filmgeschichte, doch im Unterschied zu diesem starb Marlon Brando nicht jung, sondern wenige Monate nach seinem achtzigsten Geburtstag, am 1. Juli 2004 in Los Angeles. Den Rebellen allerdings hat Marlon Brando zeitlebens gegeben – nicht nur auf der Bühne und auf der Leinwand, sondern auch im wirklichen Leben. Seine politischen Aktivitäten, vor allem sein konsequentes Engagement für ethnische Minderheiten, sorgten in den siebziger und achtziger Jahren immer wieder für Schlagzeilen und auch für heftige Anfeindungen. Ungeachtet dessen hat er es in den späteren Jahren verstanden, seine einzigartige Stellung im Hollywood-Filmbetrieb kräftig auszunutzen und seine Gagenforderungen in schwindelerregende Höhen zu treiben.
Brando wurde am 3. April 1924 im Bundesstaat Nebraska (USA) als Sohn eines Handlungsreisenden geboren. Bereits frühzeitig erwachte sein Interesse für die Schauspielerei, woran seine Mutter einen entscheidenden Anteil hatte. Von 1939 bis 1941 besuchte der junge Marlon Brando die Shattuck Military Academy in Minnesota, wurde aber wegen Aufbegehrens gegen den Drill in der Anstalt vorzeitig von dort verwiesen. Im Jahr 1943 begann Brando dann seine Schauspielausbildung am renommierten Actor’s Studio in New York.
1947 bekam er sein erstes Engagement am Broadway. In Tennessee Williams’ Stück Endstation Sehnsucht spielte er die Rolle des Kowalski und konnte schon nach dem ersten Abend seinen Durchbruch auf der Bühne feiern. Später verfilmte Elia Kazan das Stück (A Streetcar Named Desire/Endstation Sehnsucht, USA 1951) mit Vivian Leigh und Marlon Brando in den Hauptrollen und machte diesen dadurch auch weit über den Broadway hinaus bekannt. Zuvor hatte Brando bereits in Fred Zinnemanns Film „THE MEN“ (Die Männer, USA 1950) sein Filmdebut gegeben. Für seine Rolle in Viva Zapata, (Elia Kazan, USA 1951), in dem er neben Anthony Quinn spielte, wurde Brando 1952 in Cannes als Bester Schauspieler des Jahres ausgezeichnet. Im folgenden Jahr erhielt er den British Film Academy Award für seine Titelrolle in Joseph L. Mankiewicz’ Film JULIUS CAESAR (USA 1953). Ebenfalls 1953 entstand THE WILD ONE (Der Wilde, Laszlo Benedek, USA 1953), mit dem Marlon Brando seinen Ruf als Hollywood-Rebell begründete. Dieser Ruf wurde kurz darauf gefestigt durch seine markante Rolle in ON THE WATERFRONT (Die Faust im Nacken, Elia Kazan, USA 1954), für den Brando seinen ersten „Oscar“ erhielt.
Obwohl der Regisseur Elia Kazan wegen seines charakterlosen Verhaltens vor dem „Untersuchungsausschuss zur Verfolgung unamerikanischer Umtriebe“ während der McCarthy-Ära vom linksliberalen Teil Hollywoods zu Recht fortan geschnitten wurde, ist ihm dennoch mit diesem Film, für den Leonard Bernstein eigens die Musik komponierte, eine atmosphärisch dichte und packende Schilderung des Milieus amerikanischer Hafenarbeiter gelungen. Daran können auch die melodramatischen Aspekte der Story nichts ändern (durch ON THE WATERFRONT wurde übrigens Alfred Hitchcock auf Brandos Filmpartnerin Eva Maria Saint aufmerksam und übertrug ihr später – neben Cary Grant – die weibliche Hauptrolle in NORTH BY NORTHWEST/Der Unsichtbare Dritte, USA 1959). Wir vom kommunalen Kino hätten Ihnen diesen Film gerne im Rahmen der kleinen Brando-Reihe gezeigt, stießen dabei jedoch auf das inzwischen bekannte Problem: Auch von diesem „Klassiker“ ist derzeit keine entleihbare Kopie verfügbar.
In den folgenden 16 Jahren bis 1970 wirkte Marlon Brando in 18 Filmen mit (darunter die Komödie TEEHOUSE OF THE AUGUST MOON/Das kleine Teehaus, USA 1956; das Weltkrieg-II-Drama THE YOUNG LIONS/Die jungen Löwen, USA 1957 sowie Brandos einzige Regiearbeit ONE-EYED JACKS (Der Besessene, USA 1959). Bei MUTINY ON THE BOUNTY/Die Meuterei auf der Bounty, Lewis Milestone, USA 1961, in dem er den Meuterer Fletcher Christian darstellt, trat Brando auch als Produzent auf. 1964 spielte Brando in einer US-Regiearbeit von Bernhard Wicki (MORITURI, USA 1964); zwei Jahre später trat er an der Seite von Robert Redford in Arthur Penns spannendem Thriller THE CHASE (Ein Mann wird gejagt) auf und wirkte im selben Jahr in A Countess FROM HONGKONG (Die Gräfin von Hongkong, Charles Chaplin, USA 1966) mit.
Zur Erneuerung und Vertiefung von Marlon Brandos „Rebellenimage“ hat mit Sicherheit seine Hauptrolle als Sir William Walker in Queimada (ITA 1969) beigetragen. Mitten in der intensivsten Phase des Vietnamkrieges entstand dieses Drama, das sich sehr kritisch mit der Geschichte des Kolonialismus im „westindischen“ Raum auseinandersetzt. Sein Regisseur Gillo Pontecorvo hatte zuvor mit LA BATTAGLIA DI ALGIERI (Die Schlacht von Algier, ITA/ALG 1965) die Kritiker und das vorwiegend linke intellektuelle Publikum begeistert. Zu unserer Verblüffung existiert von „Queimada“ eine entleihbare Kopie, sodass wir ihn in unsere kleine Retrospektive aufnehmen konnten.
Geradezu legendär ist Marlon Brandos Interpretation des „Paten“ Don Vito Corleone in Francis Ford Coppolas fulminanter Verfilmung des gleichnamigen Romans von Mario Puzo (THE GODFATHER/Der Pate, USA 1971). Für diese Rolle sollte Brando einen „Oscar“ als bester Darsteller erhalten, lehnte diesen jedoch ab, um damit auf die Unterdrückung der Indianer in den USA aufmerksam zu machen. Bei der Preisverleihung verlas an Brandos Stelle die Apachin Sacheen Little Feather eine Solidaritätserklärung des Schauspielers mit dem American Indian Movement (AIM). Zwar wurde später bekannt, dass Little Feather keine echte Indianerin war, sondern eine Schauspielerin namens Maria Cruz, doch tat dies der Glaubwürdigkeit von Brandos Engagement keinen entscheidenden Abbruch. Einen wunderbaren Wiedergänger des Don Vito Corleone brachte übrigens Brando selbst in seiner Rolle als Mafiapate Don Sabatini in Andrew Bergmans amüsanter Komödie FRESHMAN (The Freshman, USA 1989) auf die Leinwand.
Zu einem handfesten Skandal – verursacht durch selbsternannte Moralwächter – wurde auch der nächste Film, in dem Brando mit seiner Filmpartnerin Maria Schneider mit irritierender Intensität eine obsessive Leidenschaft und gleichzeitig vollkommene Desillusionierung verkörpert: L’ULTIMO TANGO A PARIGI/Der letzte Tango in Paris (Bernardo Bertolucci, IT/FRA 1972).
Im Anschluss an seine Mitwirkung in MISSOURI BREAKS/Duell am Missouri, USA 1975), einem beeindruckenden „Spätwestern“ von Arthur Penn, übernahm Brando die Rolle des Colonel Kurtz in Francis Ford Coppolas düsterem Vietnam-Epos APOCALYPSE NOW (USA 1976-79), der auf Motiven und Figuren aus Joseph Conrads HEART OF DARKNESS aufbaute. Die Fassung, die nach schwierigsten und ruinösen Dreharbeiten ab 1979 in die Kinos kam, war um ca. 20 Minuten gekürzt. Wir zeigen den Director’s Cut, in dem das seither bekannte Panoptikum des menschenfressenden Dschungelkrieges noch um einige bedeutende Szenen erweitert ist (u.a. um eine verblüffende Sequenz mit französischen Siedlern, die sich tief im bewaldeten Dickicht eine absurde Fluchtburg ihres untergegangenen Kolonialreiches erhalten haben).
Nach seiner Rolle in THE FORMULA (USA 1980) verabschiedete sich Brando - nicht zuletzt aus privaten Gründen - für acht Jahre aus dem Filmbusiness, um mit opulenter Gage für A DRY WHITE SEASON (Weiße Zeit der Dürre, USA 1988) zurückzukehren. Späte Erfolge konnte Brando mit Freshman und Don Juan de Marco (USA 1994) erzielen. Mit seiner Rolle in THE BRAVE (USA 1997) spricht Brando unter der Regie von Johnny Depp (!) nochmals sein lebenslanges Thema an: Die Situation der Indianer in den USA. Seine letzte Filmrolle spielte er in The Score (Frank Oz, USA 2001).

Filmographie Marlon Brando:
THE MEN/Die Männer, Fred Zinneman, USA 1950; A Streetcar Named Desire/Endstation Sehnsucht, Elia Kazan, USA 1951; Viva Zapata!, Elia Kazan, USA 1952; Julius Caesar, Joseph L. Mankiewicz, USA 1953; THE WILD ONE/Der Wilde, Laszlo Benedek, USA 1953; ON THE WATERFRONT/Die Faust im Nacken, Elia Kazan, USA 1954; Desirée, Henry Koster, USA 1954, GUYS AND DOLLS/Schwere Jungs und leichte Mädchen, Joseph L. Mankiewicz, USA 1955; TEEHOUSE OF THE AUGUST MOON/Das kleine Teehaus, Daniel Mann, USA 1956; Sayonara, Joshua Logan, USA 1957; THE YOUNG LIONS/Die jungen Löwen, Edward Dmytryk, USA 1957; THE FUGITIVE KIND/Der Mann in der Schlangenhaut, Sidney Lumet, USA 1960; One-Eyed-Jacks/Der Besessene, Marlon Brando, USA 1961; MUTINY ON THE BOUNTY/Meuterei auf der Bounty, Lewis Milestone, USA 1962; THE UGLY AMERICAN/Der hässliche Amerikaner, George England, USA 1962; BEDTIME STORY/Zwei erfolgreiche Verführer, Ralph Levy, USA 1963; MORITURI, Bernhard Wicki, USA 1964; THE CHASE/Ein Mann wird gejagt, Arthur Penn, USA 1965; THE APPALOOSA/Südwest nach Sonora, Sindey J.Furie, USA 1965; A Countess FROM HONGKONG/Die Gräfin von Hongkong, Charles Chaplin, USA 1966; REFLECTIONS IN A GOLDEN EYE/Spiegelbild im goldenen Auge, John Huston, USA 1966; Candy, Christian Marquand, ITA/USA 1968; THE EVENING OF THE FOLLOWIG DAY/Am Abend des folgenden Tages, Hubert Cornfield, GB 1968; Queimada/Queimada – Insel des Schreckens, Gillo Pontecorvo, ITA 1969; THE NIGHT COMERS/Das Loch in der Tür, Micael Winner, GB 1971; THE GODFATHER/Der Pate, Francis Ford Coppola, USA 1971; L’ULTIMO TANGO A PARIGI/Der letzte Tango in Paris, Bernardo Bertolucci, ITA/FRA 1972; MISSOURI BREAKS/Duell am Missouri, Arthur Penn, USA 1975; Superman, Richard Donner, GB1978; APOCALYPSE NOW, Francis Ford Coppola, USA 1976-79; THE FORMULA/Die Formel, John G. Avildesen, USA 1980; A DRY WHITE SEASON/Weiße Zeit der Dürre, Euzham Peley, USA 1988; FRESH-MAN/The Freshman, Andrew Bergman, USA 1989; CHRISTOPHER COLUMBUS – THE Discovery/Christopher Columbus – Der Entdecker, John Glen, USA 1991; don juan de Marco, Jeremy Leven, USA 1994; THE ISLAND OF DR. MOREAU/dna – Die Insel des Dr. Moreau, John Frankenheimer, USA 1996; THE BRAVE, Johnny Depp, USA 1997; FREE MONEY, Yves Simoneau, CAN 1998; APOCALYPSE NOW REDUX, Francis Ford Coppola, USA 2001; THE SCORE, Frank Oz, USA 2001.

Horst Ebert


Jeweils Mittwoch um 20 Uhr im „CinemaxX“ im K3
Eintritt: EUR 4.50, OmU = Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Vorverkauf ab Dienstag an der Kinokasse, telefonisch unter HN-9190919 oder unter „www.cinemaxx.de“.

Die Filmtexte entstammen auszugsweise, soweit nicht extra vermerkt, von den Seiten "www.spielfilm.de".

Unsere Aktivitäten werden gefördert durch die Stadt Heilbronn sowie die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg.