Unser Programm Oktober - Dezember 2003: Schwerpunkt "Historias Minimas" - Filme aus Argentinien
Mittwoch, 1. Oktober 2003
Herr Wichmann von der CDU
Deutschland 2002, 71 Min.
Regie: Andreas Dresen
Drehbuch: Andreas Dresen
Sommer 2002, Bundestagswahlkampf in der Region Uckermark/ Oberbarnim, ganz im Nordosten Brandenburgs. Die Chancen stehen schlecht für Henryk Wichmann, 25, Bundestagskandidat der CDU. Die letzten Wahlen gewann der Konkurrent von der SPD mit haushoher Mehrheit. Doch Henryk Wichmann gibt nicht auf. Mit seinem Slogan Frischer Wind bringt Bewegung in die Politik zieht er durch den Wahlkreis, macht sich bekannt, diskutiert, verteilt Broschüren und Kugelschreiber, besucht Altenheime und mittelständische Betriebe und trotzt unter dem Parteischirm Wind, Wetter und der Hast der Passanten. Für den Endspurt hat er sich noch ein paar Trümpfe aufgehoben. Andreas Dresen und Kameramann Andreas Höfer begleiteten Henryk Wichmann einen Monat bis zur Entscheidung am 22. September auf Wahlkampftour. Entstanden ist so ein präziser, kluger, manchmal tragikomischer Film, der mit großer Aufmerksamkeit seinem Protagonisten folgt und dabei ein eindrückliches Bild der Region und ihrer Menschen zeichnet. Im oft absurden, manchmal zermürbenden Kampf um die Wählerstimmen werden die Sorgen und Sehnsüchte der Menschen offenbar und die Schwierigkeit der Politik, sich der Realität einer weitgehend desillusionierten Gesellschaft zu stellen.
Mittwoch, 8. Oktober 2003
Ten
Frankreich/Iran 2002, 95 Min., OmU
Regie: Abbas Kiarostami
Drehbuch: Abbas Kiarostami
Darsteller: Mania Akbari, Amin Maher, Kamran Adl
Eine junge Mutter fährt ihren Sohn zum Schwimmbad und streitet sich dabei mit ihm über seinen Vater, von dem sie sich hat scheiden lassen.
Auf ihrer weiteren Autofahrt durch Teheran nimmt sie ihre Schwester, eine Freundin und einige fremde Frauen mit, die mit ihr über Erziehung und Ehe, Liebe und Religion sprechen.
So entfalten sich zehn Episoden im emotionalen Leben von sechs Frauen, die vor bestimmten Herausforderungen stehen. Aber es könnten auch verschiedene Momente aus dem Leben derselben Frau sein.
Mittwoch, 15. Oktober 2003
Göttliche Intervention Eine Chronik von Liebe und Schmerz (INTERVENTION DIVINE)
Frankreich/Palästina 2002, 92 Min., OmU
Regie: Elia Suleiman
Drehbuch: Elia Suleiman
Darsteller: Elia Suleiman, Manal Khader, Nayef Fahoum Daher
Hinter einer augenscheinlichen Normalität herrscht in der Stadt Nazareth der blanke Wahnsinn. Unter dem Druck seiner zurückgehenden Geschäfte beschließt ein Mann, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Er versucht so, den Teufelskreis der kleinen Privat-Fehden zu durchbrechen. Doch er selbst ist es, der dabei zusammenbricht. Dieser Mann ist der Vater von Elia Suleiman.
Eine Liebesgeschichte entspinnt sich zwischen einem Palästinenser, der in Jerusalem lebt, und einer Palästinenserin aus Ramallah. Der Mann, Elia Suleiman, pendelt zwischen seinem hilfsbedürftigen Vater und seiner Geliebten hin und her. Er möchte beiden gerecht werden.
Mittwoch, 22. Oktober 2003
In the Bedroom
USA 2001, 135 Min., FSK: 12
Regie: Todd Field
Drehbuch: Todd Field, Robert Festinger
Darsteller: Tom Wilkinson, Sissy Spacek, Nick Stahl
Es ist Sommer in Neu-England. Frank Fowler verbringt seine Ferien zu Hause, um dort bei einem Aushilfsjob beim Hummerfang ein wenig Geld zu verdienen. Seine Eltern Matt, der als Arzt im Ort praktiziert, und Ruth, die den Chor der dortigen High School leitet, sind ein typisches, glücklich lebendes Kleinstadtehepaar, das den Sohn liebt und auch stolz auf ihn ist.
Doch langsam machen sie sich Sorgen um ihn: Denn er hat sich in Natalie, eine Frau mit zwei Kindern, die mitten in einer Scheidung steckt, verliebt. Eigentlich mögen Matt und Ruth die neue Freundin ihres Sohnes, doch es kommt immer wieder zu unschönen Begegnungen zwischen Natalie und ihrem Noch-Ehemann, der es nicht verkraften kann, den jungen Mann an ihrer Seite zu sehen. Es kommt zum Streit zwischen den beiden Männern, und plötzlich fällt ein Schuss.
Im Zuge der Oscar-Verleihungen ist man bereits auf diesen Film aufmerksam geworden. Nominiert für ganze fünf Goldjungen, ging der Streifen jedoch letztlich leer aus. Zumindest dem Hauptdarsteller Tom Wilkinson hätte man diese Auszeichnung für sein eindrucksvolles Spiel gewünscht. Das Filmgeschäft kann so grausam sein. Ganz ähnlich ist das Spielfilmdebüt von Todd Field auch untertitelt: Liebe kann so grausam sein.
Mittwoch, 29. Oktober 2003 Filme aus Argentinien
Junta (GARAGE OLIMPO)
Argentinien/Italien 1998, 98 Min.
Regie: Marco Bechis
Drehbuch: Marco Bechis, Lara Fremder
Darsteller: Dominique Sanda, Antonella Costa, Carlos Echeverría , Enrique Pineyro
Buenos Aires zur Zeit der Militärdiktatur: Die Studentin Maria wird von der Geheimpolizei in eine stillgelegte Autowerkstatt zum Verhör verschleppt. Dort trifft sie auf Felix, ihren verschlossenen und in sie verliebten Mitbewohner er ist der zuständige Verhör-Spezialist.
Während sich daraus eine kaum vorstellbare Beziehung aus Macht, Zuneigung, Folter und Überlebenswillen entwickelt, versucht Marias Mutter mit allen Mitteln, ihre Tochter zu finden.
Mittwoch, 5. November 2003
Hukkle Das Dorf (HUKKLE)
Ungarn 2002, 75 Min.
Regie: György Pálfi
Drehbuch: György Pálfi
Darsteller: Ferenc Bandi, József Farkas, Mrs. Rácz
Ein alter Mann sitzt auf einer Bank in der Sonne er hat Schluckauf. Eine freundliche alte Frau pflückt Maiglöckchen, Frauen nähen in der Textilfabrik und die Männer kegeln, der Bienenzüchter schlägt den Honig, die Erntemaschine erntet das Getreide und währenddessen untersucht ein Polizist einen mysteriösen Todesfall. Ein herrliches Spiel mit den stummen Dorfbewohnern, bei dem anstelle von Worten und Sätzen die Geräusche des Dorfes eine Symphonie zum Rhythmus von Onkel Csekliks Schluckauf werden. Im Film sind die einzelnen, scheinbar unzusammenhängenden Szenen durch ein Geheimnis verbunden und dies macht die Bedeutung der einzelnen Geschichten aus. Das Geheimnis ist die Geschichte selbst.
Mittwoch, 12. November 2003
Mein Bruder der Vampir
Deutschland 2001, 89 Min.
Regie: Sven Taddicken
Drehbuch: Matthias Pacht
Darsteller: Roman Knizka, Alexander Scheer, Julia Jentsch
Dies ist die Geschichte der drei Geschwister Josch, Mike und Nic, die auf der Suche nach der ersten Liebe ganz unterschiedliche Erfahrungen machen: Josch ist der Älteste, Dracula-Fan und geistig behindert. Was ihn nicht davon abhält, sich in Nadine, die neue Freundin seines Bruders Mike, zu verknallen und sich zum Geburtstag Sex mit ihr zu wünschen. Mike ist jedoch von Joschs Avancen seiner Freundin gegenüber wenig begeistert. Die Dritte im Bunde, Nic, ist das Nesthäkchen der Familie. Ein pubertierendes Gör, das sich unsterblich in Manu, den selbst ernannten Chef der lokalen Spielplatzgang, verguckt hat.
Mittwoch, 19. November 2003 Filme aus Argentinien
Die dunkle Seite des Herzens (EL LADO OSCURO DEL CORAZON)
Argentinien/Kanada 1992, 127 Min.
Regie: Eliseo Subiela
Drehbuch: Eliseo Subiela
Darsteller: Dario Grandinetti, Sandra Ballesteros
Oliverio ist Dichter in Buenos Aires. Seine Werke trägt er Autofahrern im Stau, Bankangestellten und Schuhverkäufern vor. Doch in Wirklichkeit ist er auf der Suche nach der idealen Frau, von der er nur eines verlangt: dass sie mit ihm fliegen wird. Wer seinen poetischen und sinnlichen Höhenflügen nicht zu folgen vermag, wird von Oliverio kurzerhand weggezaubert.
Mittwoch, 26. November 2003 Filme aus Argentinien
Historias Minimas
Argentinien 2002, 94 Min.
Regie: Carlos Sorin
Drehbuch: Pablo Solarz
Darsteller: Javier Lombardo, Antonio Benedictti, Javiera Bravo, Francis Sandoval
Tausende Meilen südlich von Buenos Aires entfernt sind drei Menschen auf den einsamen Landstraßen Süd-Patagoniens unterwegs:
Don Justo, der ehemalige Besitzer eines Gemischtwarenladens, flieht von seinem Altenteil, um seinen Hund zu suchen, den irgendjemand in San Julian gesehen zu haben glaubt. Er trampt und hofft, dass der Lastwagenfahrer, den er von früher kannte, ihn mitnimmt. Der Handlungsreisende Roberto ist auf derselben Straße in seinem alten Auto unterwegs und hat eine sehr empfindlichen Fracht dabei: eine Cremetorte, bestellt für den Geburtstag des Sohnes einer jungen Frau. Ebenfalls zur selben Zeit reist Maria Flores mit ihrem Baby. Sie ist sehr arm und hat in einer Fernsehshow eine Universalküchenmaschine gewonnen obwohl sie nicht genau weiß, was das eigentlich ist, denn sie lebt auf Pump und kann sich noch nicht einmal Essen leisten.
Mittwoch, 10. Dezember 2003
Stirb nicht ohne mir zu sagen wohin du gehst
Argentinien 1995, 120 Min.
Regie und Drehbuch: Eliseo Subiela
Darsteller: Dario Grandinetto, Mariana Arias, Oscar Martinez
Das Leben ein Traum? Das klassische Dichterwort inspiriert dieses berauschende Filmgedicht über die Macht der Imagination. Alles beginnt mit dem Ursprung des Kinos: New Jersey, 1885. Als Assistent von Thomas Edison hilft der junge William bei der Erfindung des Kinematographen. Im Traum wird er zum Filmvorführer und Hobbyerfinder Leopoldo im Buenos Aires von heute. Während sein Freund Oscar einen kuriosen mechanischen Roboter konstruiert, gelingt Leopoldo eine Erfindung, die seine Träume aufzeichnet und für ihn sichtbar macht. So begegnet er der geheimnisvollen Rachel, die ihn auf eine nachtwandlerische Gratwanderung zwischen Diesseits und Jenseits führt.
Eliseo Subiela, dem großen Poeten des argentinischen Films, ist eine der schönsten und bewegendsten Reflexionen über die das Wesen des Kinos und die Welt der Träume gelungen. Mit vielen spannenden, überraschenden Facetten und einem ganz eigenen Humor leitet Subiela uns durch ein magisches Labyrinth, in dem wir uns selber begegnen.
Der Film gewann den Großen Preis des Filmfestival Montreal 1995.
(Verleihangaben)
Mittwoch, 17. Dezember 2003
Sweet Sixteen
Großbritannien/D/Spanien 2002, 106 Min.
Regie: Ken Loach
Drehbuch: Paul Laverty
Darsteller: Martin Compston, William Ruane, Annmarie Fulton
Liam ist 15, aufgewachsen in einer Sozialsiedlung, vernachlässigt von seiner Mutter und ohne Perspektive für eine bessere Zukunft. Seine Mutter Jean sitzt gerade im Knast eine Strafe für ihren mit Drogen dealenden Freund Stan ab. In sechs Wochen wird sie entlassen pünktlich zu Liams 16. Geburtstag. Danach, so hat er sich geschworen, soll sich etwas ändern.
Liam träumt von einem glücklichen Familienleben, das er nie gekannt hat. Er hat einen hübschen, soliden Wohnwagen entdeckt, der für 6.000 Pfund zum Verkauf angeboten wird. Dort will er zusammen mit seiner Mutter wohnen.
Um das Geld für die erste Rate aufzubringen, stiehlt er Drogen aus Stans Versteck und beginnt, zusammen mit seinem besten Kumpel zu dealen. Doch damit begeben sich die Jungs auf gefährliches Terrain, als sie dem knallharten Großdealer Douglas in die Quere kommen.
Um ihn zu beeindrucken und den Wohnwagen finanzieren zu können, sucht Liam nach immer neuen Wegen, noch mehr Drogen zu verkaufen.
Mittwoch, 24. Dezember und 31. Dezember 2003
KEINE VORSTELLUNGEN
In diesem Jahr blieb die Initiative Kommunales Kino Heilbronn e.V. von einer Kürzung der öffentlichen Zuschüsse leider nicht verschont. So wurden die Zuschüsse der Stadt Heilbronn um 10% gekürzt. Wodurch unsere Zuschüsse von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg gleichsam um 10% schrumpften die MFG wollte das zwar gar nicht, wegen der geltenden Komplementärförderungs-Richtlinie ging es aber nicht anders. Und da wir alle verfügbaren Gelder in die Filmvorführungen stecken und sich auch kein Speck mehr vom Bauch schneiden lässt, müssen diese beiden Vorstellungen aus Geldmangel leider ausfallen.
Und hätte unser Gastgeber, das CinemaxX Heilbronn, nicht so viel Kooperationswille zu Gold werden lassen (Danke!), wäre uns schon weit vorher die Luft ausgegangen.
Somit werden wir letztlich das Jahr 2003 mit einem blauen Auge überstehen...
Damit wir dann im nächsten Jahr all dem Ärger ums liebe Geld aus dem Weg gehen können, haben wir natürlich auch an Sie einen Wunsch: Besuchen Sie uns doch einfach 10% häufiger. Oder noch öfter. Das wäre schön!
Ab Mittwoch, 7. Januar 2004 geht unser Programm wie gewohnt weiter.
Historias Minimas - Filme aus Argentinien
Argentinien gehört neben Kuba und Brasilien zu den Ländern Lateinamerikas, deren Filmschaffen in Deutschland wahrscheinlich noch am besten bekannt ist, und von wo es auch ab und zu ein Film bis ins Kinoprogramm schafft. Doch es sind ausschließlich die Namen der großen drei etablierten Cineasten Fernando Solanas, Eliseo Subiela und Adolfo Aristarain, die in Deutschland in der Kino-Szene bekannt geworden sind.
Buenos Aires gilt als eine der filmfanatischsten Städte der Welt: In der Tat fanden in dieser Stadt viele internationale Filmemacher wie Ingmar Bergman, R.W. Fassbinder, Istvan Szabo oder Tarkovsky eine große Zuschauerzahl, eher noch als in ihren Heimatländern. Auch hatte z.B. das Jahr 2000 erstaunlich gute Zahlen für die lokale Kinoproduktion und deren Zuschauerquoten. Insgesamt etwa 6,5 Millionen Zuschauer hatten argentinische Filme gesehen, das sind 19,8% ein Prozentsatz, der nur in wenigen Ländern übertroffen wird: Frankreich (30%), Dänemark (28%) und Italien (24%).
Mit Sicherheit wird die Wirtschaftskrise seit Ende des Jahres 2001 den Zuschauerboom der letzten Jahre schrumpfen lassen. Damit zeichnen sich auch für die Filmwirtschaft einschneidende Folgen ab.
Laut der britischen Zeitschrift Screen Digest wurden im Jahr 1999 noch 133 Millionen U$ in Filmproduktionen investiert (davon 25% aus öffentlichen Förderungsquellen). Das würde bedeuten, dass Argentinien den 9. Platz im Bereich der internationalen Filmproduktion einnahm, und zwar hinter den USA (8.699 Millionen), Japan (1.053), England (818), Frankreich (733), Deutschland (380), Kanada (226), Italien (171) und Spanien (168).
Auch den Filmsektor hat die Wirtschaftskrise erfasst. Ähnliche Zahlen wie 1999 sind heute nicht mehr zu erwarten.
Quelle: Goethe-Institut Buenos Aires
Überblick zur Geschichte des argentinischen Films
Kurz nach seiner Erfindung in Paris erreichte der Film zwar auch Argentinien, doch erst seit der Einführung des Tonfilms gibt es eine richtige Filmindustrie. Die guten Zeiten, als man argentinische Filme überall in Spanisch sprechenden Ländern sah, dauerten bis Anfang der 50er Jahre. Seitdem die großen Studios allmählich schließen mussten, das Fernsehen an Bedeutung gewann, der populäre Film in seiner Entwicklung stecken blieb und der Autorenfilm in die Isolierung geriet, gelten neue Spielregeln.
So hat sich der aktuelle argentinische Film heute zurückgezogen, was die Menge und den Markt betrifft. Er behält jedoch seine spezielle und international anerkannte Qualität.
1886 - 1933
In der Stummfilmzeit wurden mehr als 200 Filme produziert: Melodramen, Kriminalfilme, komische Streifen und ländliche
Themen; hervorzuheben ist dabei das Sujet rund um den Tango von Agustín Ferreyra. Trotzdem organisierte sich keine richtige Filmindustrie und selbst die Filme wurde nicht gebührend konserviert.
18. Juli 1896: Erste kinematografische Ausstellung
1897: Eugene Py dreht den ersten Kurzfilm La bandera argentina (Die argentinische Fahne) mit einer importierten französischen Kamera
1898: Der Arzt Alejandro Posadas filmt eigene Operationen
1900: Erste Kinosäle und erste Nachrichten
1910: Erste filmische Fiktion La revolución de mayo (Die Mai-Revolution)
1914: Erster Spielfilm Amalia
1915: Erster großer Kinoerfolg Nobleza gaucha
1917: Erster Animations-Spielfilm der Welt El apóstol (Der Apostel)
1917: Erste weibliche Regisseurin Lateinamerikas
1933 - 1945
Richtig entstand die Filmindustrie erst 1933 mit dem Tonfilm. Praktisch zur gleichen Zeit wurde Argentina Sono Film gegründet mit den Filmen Tango (in dem Libertad Lamarque, Tita Merello und Luis Sandrini debütierten), Lumiton und Los tres berretines. Bald darauf produzierten diese und andere Unternehmen etwa 30 Filme pro Jahr, die nach ganz Lateinamerika exportiert wurden, vor allem die Melodramen von Libertad Lamarque, die komischen Filme von Sandrini und später auch die von Niní Marshall.
Drei Schlüsselereignisse der 40er Jahre waren:
die Gründung der Kooperative Artistas Argentinos Asociados (Assoziation argentinischer Künstler), die einen beträchtlichen Teil der Intelligenz dieser Epoche vereinte,
die Krise aufgrund des Mangels an Rohfilm wegen der Neutralität Argentiniens während des Zweiten Weltkriegs,
zunehmende Eingriffe des Staates seit 1944.Mit der Zeit entwickelten sich daraus Formen der Zensur, schwarze Listen; Rohfilm wurde nach Belieben verteilt und von faulen Krediten profitierten nur Gelegenheitshändler. Zu dieser Zeit existierten schon 29 Filmtheater, die allerdings noch ziemlich misslich ausgestattet waren.
1945 - 1957
Dennoch muss man die Qualität des Sängers, Schauspielers und Regisseurs Hugo del Carril hervorheben in Las aguas bajan turbias (Das Wasser fließt trüb), La Quintrala und Más allá del olvido (Jenseits des Vergessens).
1957 trat das Filmgesetz in Kraft und wurde das Instituto Nacional de Cinematografía (INC) (Nationales Filminstitut) gegründet, das seitdem über Kredite, Ausstrahlung oder bürokratische Hindernisse entscheidet je nach der gerade herrschenden Epoche.
1960 - 1975
Mit der initialen Unterstützung durch das Nationale Filminstitut behauptete sich der Polemiker Leopoldo Torre Nilsson, der bald als Autor von La casa del ángel (Das Haus des Engels) und La mano en la trampa (Die Hand in der Falle) berühmt werden sollte; das Doppel Fernando Ayala und Hector Olivera (Der Chef; der Kandidat), die El sello Aries (Der Stempel von Aries) hervorbrachten und nach ihnen die Mitglieder der so genannten Generation der 60er", weit vom System der Studios entfernt.
Frucht dieser Tage sollte ein anderer Schauspieler, Sänger und Regisseur werden, Leonardo Favio, der mit einem exzellenten, fast autobiografischen Drama debutierte: Crónica de un niño solo (Chronik eines Einzelkindes). Gegen Ende der 60er Jahre fiel das Untergrundkino einiger Regisseure von Werbefilmen auf, die mit der Sprache experimentierten. Vor allem aber interessierte das politische Essay von Pino Solanas und Octavio Getino in La hora de los hornos (Die Stunde der Öfen), ein provokantes und innovatives Werk, das notgedrungen heimlich gezeigt wurde und als Herausforderung an das Militärregime verstanden wurde.
1973 - 1983
In dieser Zeit einer demokratischen Regierung und einer halbwegs stabilen Wirtschaft errang der argentinische Film große Erfolge bei Kritikern und auch in ökonomischer Hinsicht.
Aber die Zensur und ein neues Militärregime beendeten diesen Kinofrühling. Die Revanche kam danach mit Tiempo de revancha (Zeit der Vergeltung) von Adolfo Aristaraín und mit der satirischen Komödie Plata dulce (Süßes Geld) von Miguel Pérez.
Seit 1984
1984 beendete eine Regierung der Radikalen die Zensur und ein Cineast der 60er, Manuel Antin, der als Chef des INC eingesetzt wurde, trieb die Entwicklung einer neuen Generation voran, die dann Cine Argentino en Libertad y Democracia (Argentinisches Kino in Freiheit und Demokratie) genannt wurde.
So entstanden viele bedeutende Filme die Mehrzahl von jungen Regisseuren oder ehemals übergangenen, die eine große Anzahl an internationalen Preisen gewannen und ihre Filme fast überall auf der Welt zeigten.
Trotzdem beendete Argentiniens Wirtschaftskrise 1989 mit ihrer Hyperinflation auch die neuen Träume. Die argentinischen Cineasten wandelten sich endgültig in Regisseure und Produzenten um, die von staatlicher Unterstützung oder von ausländischen Koproduzenten abhängig sind. Hoffnung setzten sie in ein neues Gesetz aus dem Jahr 1995, das Video- und TV-Produktionen verpflichtet, Geld zur Verfügung zu stellen, um den argentinischen Film zu finanzieren.
Quelle: Paraná Sendr´s - Surdelsur.com.ar
(www.argentina-online.de)
Jeweils Mittwoch um 20 Uhr im CinemaxX im K3
Eintritt: EUR 4.50, OmU = Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Vorverkauf ab Dienstag an der Kinokasse, telefonisch unter HN-9190919 oder unter www.cinemaxx.de.
Die Filmtexte entstammen auszugsweise, soweit nicht extra vermerkt, von den Seiten "www.spielfilm.de".
Unsere Aktivitäten werden gefördert durch die Stadt Heilbronn sowie die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg.