Unser Programm Oktober - Dezember 2002: Schwerpunkt "Billy Bob Thornton"
2.10.2002: Jubiläumsaktion "1 Jahr Kommunales Kino im CinemaxX" - Wir begrüßen unsere Zuschauer/innen mit einem Getränk
2.10.2002: Banditen! (BANDITS)
USA 2001, 120 Min.
Regie: Barry Levinson
Darsteller: Billy Bob Thornton, Bruce Willis, Cate Blanchett
Ein unterhaltsames Duo: Der unwiderstehliche Joe und sein hypochondrischer Partner Terry, gerade aus dem Gefängnis ausgebrochen und auf der Suche nach dem schnellen Geld - für eine sorgloses Leben in Mexiko. Von Oregon bis Kalifornien hinterlassen sie eine Schneise der Verwüstung: unzählige Banküberfälle, schrottreife Autos, gebrochene Frauenherzen. Sie werden die erfolgreichsten Bankräuber Amerikas, das Land liebt sie. Die hübsche Kate würde da gern mitmachen. Nach langem Zögern nehmen die Ganoven sie schließlich auf - als Geisel. Mit viel Humor und einer wunderschönen, genau austarierten Inszenierung erzählt Barry Levinson die hinreißende Geschichte eines Gangstertrios, das partout nicht erwachsen werden will.
9.10.2002: Muratti und Sarotti - Die Geschichte des deutschen Animationsfilms 1920-1960
Deutschland 1999, 80 Min.
Regie: Gerd Gockell
Darsteller: Franz Winzentsen
Aus einer Reise durch ein surreales Archiv werden kaum beachtete Fragmente der Filmgeschichte aufgespürt. Mit Hilfe verschiedener Animationstechniken, Originaldokumenten und animierter Interviewcollagen beleuchtet der Film die Arbeit deutscher Animationsfilmer seit den zwanziger Jahren. Neben der Arbeit von Pionieren des Animationsfilms wie Oskar Fischinger oder Walter Ruttmann wird auch das filmische Schaffen weniger bekannter Filmemacher wie z.B. Peter Sachs, Rudolf Pfenninger oder Herbert Seggelke dokumentiert - Künstler, die die Filmgeschichte entscheidend beeinflusst haben. Das Projekt aus dem Hause Anigraf feierte seine Premiere beim "Int. Münchner Dokumentarfilmfestival", und fand hier wie auch in der Fachpresse hohe Resonanz.
16.10.2002: Jesus' Son
USA 1999, 96 Min., FSK: 12
Regie: Alison Maclean
Darsteller: Will Patton, Holly Hunter, Dennis Hopper, Denis Leary, Jack Black, Billy Crudup
Die amerikanische Provinz in den 70ern: "Fuckhead" genannt zu werden ist nicht gerade ein Kompliment, aber FH zieht das Unglück derart magisch an, dass er selbst im Kreis seiner ewig zugedröhnten Freunde damit auffällt. Aber auch zu Pechvögeln bahnt das Glück sich manchmal einen Weg, oder? Michelle ist das schönste Mädchen, das FH je gesehen hat, aber Liebe und Hass, Ekstase und Exzesse, Drogen und Diebstähle liegen in ihrer Beziehung eng nebeneinander. Es dauert nur kurze Zeit, bis man sich an den fehlenden Erzählfluss und die häufige Off-Kommentierung gewöhnt hat. Und danach steigert sich der Film kontinuierlich und schwingt sich in seiner wunderbar antibürgerlichen Grundhaltung in immer höhere Leck-mich-am-Arsch-Gefilde.
23.10.2002: Sling Blade
USA 1996, 135 Min., FSK: 12, OmU
Regie und Drehbuch: Billy Bob Thornton
Darsteller: Billy Bob Thornton, J. T. Walsh, Dwigth Yoakam, John Ritter
Karl, ein leicht zurückgebliebener Mann, wird nach 25 Jahren als geheilt aus einer Nervenheilanstalt für Kriminelle entlassen. Mit zwölf Jahren hatte Karl seine Mutter und einen vermeintlichen Vergewaltiger mit einer Sichel ermordet. In der Heilanstalt hatte er genug Zeit sich mit sich und seiner Tat auseinander zu setzen und hat sich selbst geschworen, nie wieder Gewalt anzuwenden. In seinem kleinen Heimatort findet er einen Job als Mechaniker und gewöhnt sich langsam an die Routine. Er ist so freundlich, dass niemand vor seiner Vergangenheit Angst hat. Er freundet sich mit Frank an, einem unglücklichen Jungen. Dessen Mutter Linda, die merkt wie eng ihr Sohn mit Karl befreundet ist, lädt ihn schließlich ein, bei ihr zu wohnen. Doch ihr Freund Doyle, ein gewalttätiger Säufer, terrorisiert die Familie derart, dass Karl seinen Vorsatz, gewaltfrei zu leben, schließlich noch einmal überdenken muss.
30.10.2002: Himalaya (HIMALAYA - L'ENFANCE D'UN CHEF) - Beitrag zum Semesterschwerpunkt TIBET der vhs Heilbronn
Frankreich, Tibet 1999, 110 Min., FSK: 12
Regie: Eric Valli
Darsteller: Karma Tensing, Thilen Lhondup, Lhakpa Tsamchoe
Um Traditionen, Stolz und Glauben dreht sich dieser Film, der uns gleichsam den Blick für die karge Schönheit des Himalaya und den anstrengende Alltag seiner Bewohner öffnet. Ein kleines nepalesisches Dorf im Herzen des Himalaya: Die Bewohner leben hauptsächlich vom Salz, das sie mit Hilfe von Yak-Karawanen über das Gebirge transportieren und in benachbarten Tälern gegen Getreide eintauschen. Nicht selten muss einer der "Salzmänner" bei der schwindelerregenden Traverse hoch über dem See sein Leben in den Gebirgen lassen. So auch der angesehene Anführer dieser kleinen Karawane. Als er stirbt, bricht im Dorf ein Generationskonflikt aus. Soll der kräftige und talentierte, aber nicht von den Göttern vorbestimmte Karma die Nachfolge antreten oder soll der mittlerweile ziemlich gebrechliche Tinlé, der Vater des Verunglückten, noch einmal die Yaks schnüren? Zwei parallel gestartete Karawanen sollen die Entscheidung bringen. Nur eines ist dabei sicher: Die Götter werden siegen. Nach zwei Dokumentarfilmen hat der Franzose Eric Valli nun seinen ersten Spielfilm gedreht, hauptsächlich im Äußeren Dolpo, einer Region, die seit ein paar Jahren auch westlichen Besuchern zugänglich gemacht worden ist und der er schon mehrere Buchpublikationen gewidmet hat, namentlich "Dolpo. Le pays caché" (1986) und "Les voyageurs du sel" (1997).
6.11.2002: Schwarze Tafeln (TAKHTE SIAH)
Iran, Italien 2000, 84 Min., OmU
Regie: Samira Makhmalbaf
Darsteller: Bahman Ghobadi, Said Mohamadi, Behnaz Jafari
Mit Wandtafeln auf dem Rücken und Kreide in den Taschen macht sich eine idealistische Gruppe von Lehrern auf: Sie wollen den Menschen im kurdischen Berggebiet an der iranisch-irakischen Grenze Lesen und Schreiben beibringen. Doch die Bergleute - meist Nomaden - sind wenig interessiert; der tägliche Kampf ums Überleben erfordert kein Schulwissen. Die Lehrer Said und Reboir trennen sich schließlich von der Gruppe und erkunden das Gebirge auf eigene Faust. Reboir trifft Kinder, die gestohlene Ware über die Grenze in den Irak schmuggeln. Und Said stößt auf 100 alte Männer, die von einer einzigen jungen Frau und ihrem Kind begleitet werden. Sie sind auf dem Weg in ihre irakische Heimat, um dort auf den Tod zu warten. Einer der alten Männer hat Angst zu sterben, bevor er seine Tochter verheiratet hat.
13.11.2002: All' die schönen Pferde (ALL THE PRETTY HORSES)
USA 2000, 117 Min., FSK: 12
Regie: Billy Bob Thornton, Buchvorlage: Cormack McCarthy
Darsteller: Matt Damon, Penélope Cruz, Bruce Dern
Texas, 1949. Als nach dem Tod seines Großvaters die Ranch verkauft wird, auf der er sein ganzes Leben verbracht hat, entscheidet sich John Grady Cole mit seinem besten Freund Lacey Rawlins in Mexiko einen Neuanfang zu wagen. Angezogen vom vermeintlich romantischen Leben der Cowboys südlich vom Rio Grande versprechen sich die beiden Pferdenarren, ihre Träume zu verwirklichen und brechen zu einer abenteuerlichen Reise auf. Unterwegs begegnen sie einem jungen Ausreißer - eine Bekanntschaft, die noch viel Ärger auf sich ziehen wird. Als Cole sich leidenschaftlich in die Tochter eines wohlhabenden Pferdezüchters verliebt, stürzt ihn das in eine Odyssee, an deren Ende er die wahre Bedeutung von Verantwortung, Liebe und Rache kennen lernen wird. Billy Bob Thorntons zweite Regiearbeit verarbeitet Cormac McCarthys gleichnamigen Einstieg in dessen "Border-Trilogie" zu einem ambitionierten Spätwestern.
20.11.2002: Secret Society - Club der starken Frauen
Deutschland/Großbritannien 2000, 93 Min., OmU
Regie: Imogen Kimmel
Darsteller: Annette Badland, Charlotte Brittain, James Hooton
Ken ist ein Träumer. Vor allem träumt er davon, zu Geld zu kommen. Daisy ist die Liebe seines Lebens. Sie ist außerdem übergewichtig, hübsch und sozialhilfeabhängig. Da die Miete nicht bezahlt ist, der Gerichtsvollzieher quasi vor der Tür steht und Kens Träume aus sind, macht Daisy sich auf, Geld zu verdienen. In einer Fabrik trifft sie Marlene und ein halbes Dutzend anderer dicker Frauen, die allesamt einer geheimen Leidenschaft frönen - dem Sumo-Ringen.
27.11.2002: Liam
Großbritannien 2000, 90 Min., OmU
Regie: Stephen Frears
Darsteller: Ian Hart, Ann Reid, Claire Hackett, Anthony Burrows
Zunächst ist alles noch fröhlich zwischen den düsteren Backsteingassen. Knurrige Weiber singen gegeneinander an: IRA-Lobeshymnen gegen Loyalistenlieder. Die Morgendämmerung strahlt blau über Gaslaternen und Häuserreihen, ein Mann klopft mit einem Stock gegen die Fenster, um die Anwohner zu wecken - diejenigen, die Arbeit haben! Liams Gewissensnöte sind ebenso komisch wie bekümmernd. Die Erstkommunion beispielsweise kostet ihn einige Nerven. Er wagt es, davor einen Happen zu essen, obwohl er genau weiß, dass "Jesu Leib nicht zwischen Toaststücken herumschwimmen soll". Die an sich bittere Geschichte wird von Stephen Frears ("Gefährliche Liebschaften", "High Fidelity") einfach und unverkrampft erzählt. Die Musik ist dezent, nicht melodramatisch. Liams kindliche Ehrlichkeit und sein offener Blick geben dem Film eine dichte Atmosphäre, und dem Zuschauer ein Gefühl für diesen Abschnitt des 20. Jahrhunderts.
4.12.2002: ... und das Leben geht weiter (... AND THE BAND PLAYED ON) - Beitrag zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember
USA 1993, 141 Min., OmU
Regie: Roger Spottiswoode
Darsteller: Matthew Modine, Ian McKellen, Alan Alda, Lily Tomlin, Richard Gere, Steve Martin u.a.
Aus 620 Seiten der Buchvorlage wurde ein knapp 21/2-stündiger Medizin- und Politthriller über die frühen Jahre von AIDS. Das erste Opfer im Jahre 1977, das Rätsel der Übertragungswege, die Suche nach "Patient Zero", die Ignoranz der US-Regierung, die Apathie des medizinischen Establishments, die paranoiden Reaktionen militanter Schwuler: In 130 Szenen entstand aus einem medizinischen Puzzle ein spannender, oft emotionaler, aber immer dokumentarischer Krimi über die tödlichste Seuche dieses Jahrhunderts. Die Entstehung des Films ist so spannend, wie die Geschichte, die er erzählt. Sechs Jahre lang wartete Amerika auf die Filmversion von Randy Shilts dokumentarischem Bestseller, der seit 1987 als "hot property" unter den Studios gehandelt wurde. Die Sender NBC und ABC stiegen ein und bekamen wieder kalte Füße, der Pay TV-Kanal HBO übernahm die Rechte. Zwei Regisseure unterzeichneten, stiegen wieder aus und wurden durch Roger Spottiswoode (u.a. "Scott + Huutch", "Under Fire", "James Bond - Der MORGEN stirbt nie") ersetzt. Doch kein namhafter Star wagte sich an das Skript, bis Richard Gere schließlich für eine Nebenrolle (als an AIDS erkrankter Choreograph) zusagte. Damit war der Damm gebrochen: Matthew Modine übernahm die Hauptrolle des AIDS-Forschers Don Francis und Phil Collins, Alan Alda, Lily Tomlin, Anjelica Huston und Steve Martin gaben durch ihre Namen dem Prestigeprojekt jene Breitenwirkung, die das Thema damals so dringend brauchte.
11.12.2002: A simple Plan - Ein einfacher Plan
USA 1998, 100 Min., FSK: 16, OmU
Regie: Sam Raimi
Darsteller: Billy Bob Thornton, Bridget Fonda, Bill Paxton
Über vier Millionen Dollar. Gefunden in einem schneeverwehten Flugzeug, versteckt im Wald, bewacht nur von einem Toten. Drogengeld, auf das nie jemand Anspruch erheben wird. Das glauben zumindest die drei Männer nach ihrem Fund, den sie für ein paar Monate verstecken wollen, bis die Luft wirklich rein ist. Guter Plan. Nur Geduld müssen die Männer aufbringen. Doch dass das Schicksal seine eigenen Pläne hat, wird schlagartig deutlich, als ein Unbeteiligter ums Leben kommt, während die Brüder ihre Spuren verwischen. Mit schleichender Unausweichlichkeit ergreifen Angst und Argwohn von den Beteiligten Besitz. Als sich die Probleme bei einem nächtlichen Treffen der Männer entladen, sterben erneut Menschen. Jetzt können sich die Brüder nicht mehr einreden, aus unglücklichen Umständen das Beste gemacht zu haben. Hinzu kommt ein Mann vom FBI, der auf der Spur der Millionen ist, die sich als Lösegeld zweier Entführer herausstellen. Mit letzter Kraft und endgültig zerstörten Idealen machen sich die einander im Laufe der Ereignisse schmerzlich nahe gekommenen Brüder auf, auch diese Situation zu überstehen. Wieder ein Plan, der misslingt. Sam Raimi, als Regisseur kultiger Horrorfilme ("Tanz der Teufel"), Produzent trashiger Fernsehserien ("Herkules", "Xena") und Drehbuchautor ("Hudsucker") erfolgreich und vielbeschäftigt, gelang mit "Ein einfacher Plan" eine brillante Charakterstudie und eine stilsichere Parabel um Schuld und Sühne, Integrität und Versuchung. Dabei ist es kein Zufall, dass sein Film an "Fargo" der Coen-Brüder erinnert: Bei früheren Projekten haben sich Raimi und die Coens oft gegenseitig ausgeholfen.
18.12.2002: Allein unter Nachbarn - La Comunidad (LA COMUNIDAD)
Spanien 2000, 106 Min., OmU
Regie: Álex de la Iglesia
Darsteller: Carmen Maura, Eduardo Antuna, Jesús Bonilla
Julia, eine abgetakelte Mittvierzigerin, vermietet Wohnungen für eine Immobilienfirma. In einem ihrer Objekte stößt sie auf eine verweste Leiche und 300 Millionen Peseten. Doch den unverhofften Reichtum aus dem Haus zu schaffen, ist problematisch: Eine skrupellose Meute von Nachbarn hat seit Jahren auf den Schatz spekuliert und ist, von Gier zerfressen, zu allem bereit. Ein pfiffiges, variantenreiches Drehbuch ist die Grundlage dieser furiosen schwarzen Komödie. Regisseur Alex de la Iglesia nutzt gekonnt den beengten Schauplatz, und hält zusätzlich noch Parodien auf "Star Wars" und "Matrix" bereit.
25.12.2002: Enigma - Das Geheimnis
Großbritannien 2000, 118 Min.
Regie: Michael Apted
Darsteller: Kate Winslet, Jeremy Northam, Tom Hollander
Bletchley Park, nördlich von London, 1943: In einem streng geheimen Projekt arbeiten Expertenteams aus Mathematikern, Kunst- und Sprachwissenschaftlern an der Entschlüsselung feindlicher Funksprüche. Als die Nazis plötzlich den deutschen U-Boot-Code ändern, erleben die Kryptoanalytiker einen herben Rückschlag. Mit Michael Apted ("Die Welt ist nicht genug") im Regiestuhl und Drehbuchautor Tom Stoppard ("Shakespeare in Love") zeichnen zwei routinierte Meister ihres Fachs für eine ganz und gar ungewöhnliche Mischung aus Spionagerätsel und Liebesgeschichte verantwortlich - unter Verzicht auf die sinnlosen Stereotypen aus der 007-Liga.
Billy Bob Thornton - Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur
Als Darsteller hat sich Billy Bob Thornton langsam, aber unaufhörlich ins Bewußtsein der kinointeressierten Menschen geschlichen. Vermutlich lag dies daran, daß er sehr häufig Charaktere spielte, die wirkten, als wären sie direkt aus einer Kurzgeschichte von Raymond Carver entsprungen: Einfache Menschen in verbauten Lebenssituationen, die um ihre Worte ringen müssen, die es nicht gewohnt sind, Dinge verbal auszudrücken und deren Geschichten vor allem in den Momenten erzählt werden, wenn sie schweigen.
Spätestens seit seiner Rolle als Jacob Mitchell in Sam Reimis abgründigem, im tiefsten winterlichen Minnesota gedrehten Provinzthriller A SIMPLE PLAN (Ein einfacher Plan, USA 1998) drängte sich die Frage geradezu auf, wer denn dieser kantige Typ mit dem fettigen Haar und der Krankenkassenbrille eigentlich sei und woher er so scheinbar plötzlich aufgetaucht ist. Daß er schon ein Jahr zuvor als äußerst schräger, gleichwohl fahrlässig unterschätzter Automechaniker Darell neben den Hauptdarstellern Sean Penn, Nick Nolte und Jennifer Lopez der heimliche Star in Oliver Stones rabenschwarzer Komödie U-TURN (USA 1997) war, konnte einem dann schon einfallen, vorausgesetzt man hatte den Film gesehen. Zuletzt durfte das deutsche Kinopublikum in THE MAN WHO WASNT THERE (Joel & Ethan Coen, USA 2001) darüber grübeln, weshalb ihm der Darsteller des kettenrauchenden Friseurs Ed Crane in diesem Film so bekannt vorkam.
In einem 1999 erschienen Artikel (From Arkansas to Armageddon) tituliert das MovieMaker Magazine Billy Bob Thornton nach einer Äußerung seines Freundes und Mentors, des Schauspieler- und Regisseurkollegen Robert Duvall, als Hilbilly Orson Welles. Thornton wurde 1955 im US-Bundesstaat Arkansas geboren. Obwohl sein Vater als Geschichtslehrer arbeitete, wuchsen Billy Bob und sein inzwischen verstorbener jüngerer Bruder Jimmy Don in großer Armut bei der Familie des Vaters in einem hinterwäldlerischen Kaff namens Alpine auf - buchstäblich mitten im Wald, wir hatten kein laufendes Wasser, Strom oder irgendwas; wir haben beim Licht von Öllampen gelesen. Oft litten sie Hunger und aßen alles, was dem Großvater als Ranger im Wald vor die Flinte gekommen war: ... Possum, Hirschfleisch und sowas. Immerhin schaffte er die High-School und nahm im Anschluß daran für kurze Zeit Schauspielunterricht, sah sich dann aber gezwungen, einen Brotjob mit regelmäßigem Einkommen anzunehmen.
Nach einer ersten Hochzeit 1975 und einer ersten Scheidung 1977 sowie einem kurzen Intermezzo an der Universität (zwei Semester Psychologie) folgte ein erster Versuch, als Musiker Fuß zu fassen. Mit seinem Jugendfreund Tom Epperson gründete er die Rockband Tres Hombres und ging nach New York, doch der Versuch scheiterte und Billy Bob floh zunächst zurück in seinen Job. 1980 folgte - abermals mit Tom - der zweite Anlauf in Sachen Musikerkarriere, die jedoch den beiden weiterhin versagt blieb. Zwar ergab sich nun die Möglichkeit, mit dem Schreiben von Drehbüchern und mit kleineren Theaterrollen ein wenig Geld zu verdienen, doch offenbar reichte es nicht weit. 1984 liefen die Dinge so schlecht, daß Billy aufgrund von monatelanger Mangelernährung (er hatte sich ausschließlich von Kartoffeln ernährt) mit einem beinahe tödlichen Herzanfall im Krankenhaus landete. Erste Rollen in unbedeutenden Filmen, eine zweite, deutlich kürzere Ehe und der erste große Erfolg mit dem Thriller ONE FALSE MOVE (Carl Franklin, USA 1991), zu dem Tom Epperson und Billy Bob Thornton gemeinsam das Drehbuch verfaßten und in dem Thornton auch als Darsteller mitwirkte, schlossen sich an. Die Figur, die er in dem Film spielte (Ray Malcolm), war übrigens, wir ahnen es schon, eine gescheiterte Existenz mit tiefen Abgründen. Etwa zu dieser Zeit heiratete Billy Bob ein drittes Mal und ließ sich wieder scheiden.
Der wundersame Durchbruch kam 1996: Schon seit Jahren feilte Thornton an einem Charakter, den er Karl Childers nannte, zu einer Bühnenfigur entwickelte und zunächst als Drehbuch zu einem Kurzfilm mit dem Titel SOME FOLKS CALL IT A SLING BLADE (George Hickenlooper, USA 1993) verdichtete. Von einem Produzenten kam später der Vorschlag, einen Spielfilm um die Figur des Karl Childers herum zu entwickeln und so geschah es. Thornton schrieb SLING BLADE (USA 1996), spielte die Hauptrolle, führte Regie, gewann einen Oscar für das Drehbuch und wurde berühmt. Zur Oscarverleihung erschien er mit seiner vierten Frau, die er kurz zuvor geheiratet hatte und von der er sich kurz danach wieder scheiden ließ.
Nur scheinbar wurde Thorntons Wandlungsfähigkeit als Darsteller auf die Probe gestellt, als nach SLING BLADE der Erfolg an seine Tür klopfte und er plötzlich Angebote in Blockbuster-Filmen bekam, so zum Beispiel in PRIMARY COLORS (Mit aller Macht, Mike Nichols, USA 1998) und in PUSHING TIN (Mike Newell, USA 1999), bei dessen Dreharbeiten er übrigens Angelina Jolie kennenlernte, die später seine fünfte Frau werden sollte. Am deutlichsten wird dies in ARMAGEDDON (Michael Bay, USA 1998), in dem ein Asteroid die Bahn der Erde kreuzt und ein Zusammenprall droht - der übliche Stoff für amerikanisches Mainstream-Kino, aber mit Bruce Willis, Billy Bob Thornton, Liv Tyler und vor allem Steve Buscemi mit Akteuren besetzt, die dem ganzen Spektakel eine gehörige Dosis Schrägheit versetzte. Nach dem Erfolg von SLING BLADE, bei dem Thornton auch Regie geführt hatte, suchte er mit der Verfilmung des wunderschönen Cormack McCarthy-Romans ALL THE PRETTY HORSES (All die schönen Pferde, USA 2000) seine nächste Herausforderung als Regisseur und setzte 2001 noch eins drauf, als er bei der tragikomischen Familiengeschichte DADDY AND THEM wieder Regie führte, das Drehbuch schrieb und als Darsteller mitwirkte. Zur Zeit kommt Thornton wieder als Charakterdarsteller in die Kinos - in dem hochgelobten Südstaaten-Drama THE MONSTERS BALL (Marc Foster, USA 2002); seine Filmpartnerin Hale Berry erhielt für ihre Rolle als verarmte Ehefrau eines zum Tode Verurteilten dieses Jahr den Oscar als beste Darstellerin.
Mit dem Erfolg im Filmgeschäft kommt bei Billy Bob endlich auch das lange ersehnte zweite Standbein in der Musik allmählich zum Tragen. Die Rockmusik hat er jedoch inzwischen hinter sich gelassen und präsentiert sich auf seiner aktuellen CD Private Radio als verschrobener Liebhaber altmodischer Countrymusik. Einer aus dem Süden eben. Der seine Redneck-Wurzeln nicht verleugnet, sondern wie eine Krone trägt.
Filmografie Billy Bob Thornton (Auszug):
Darsteller:
ONE FALSE MOVE (Carl Franklin, USA 1991, u.a. mit Bill Paxton, Cynda Williams)
SOME FOLKS CALL IT A SLING BLADE (George Hickenlooper, USA 1993)
BLOOD IN BLOOD OUT: BOUND BY HONOR (Blood In Blood Out, Taylor Hackford, USA 1993, u.a. mit Benjamin Bratt)
DEAD MAN (Jim Jarmusch, USA 1995, u.a. mit Johnny Depp, Robert Mitchum,)
SLING BLADE (Billy Bob Thornton, USA 1996)
THE APOSTLE (Robert Duvall, USA 1997, u.a. mit Robert Duvall, Miranda Richardson)
U-TURN (Oliver Stone, USA 1997, u.a. mit Sean Penn, Nick Nolte, Jennifer Lopez)
HOMEGROWN (Stephen Gyllenhaal, USA 1998, u.a. mit Jon Bon Jovi, Jamie Lee Curtis)
PRIMARY COLORS (Mit aller Macht, Mike Nichols, USA 1998)
ARMAGEDDON (Michael Bay, USA 1998, u.a. mit Bruce Willis, Liv Tyler, Steve Buscemi)
A SIMPLE PLAN (Ein einfacher Plan, Sam Reimi, USA 1998, u.a. mit Bill Paxton, Bridget Fonda)
PUSHING TIN (Pushing Tin - Turbulenzen und andere Katastrophen, Mike Newell, USA 1999 u.a. mit John Cusack, Cate Blanchett, Angelina Jolie)
THE MAN WHO WASNT THERE (Joel und Ethan Coen, USA 2001)
BANDITS (Banditen!, Barry Levinson, USA 2001, u.a. mit Bruce Willis, Cate Blanchett)
DADDY AND THEM (Billy Bob Thornton, USA 2001, u.a. mit Laura Dern, Ben Affleck, Jamie Lee Curtis)
THE MONSTERS BALL (Marc Forster, USA 2002, u.a. mit Hale Berry)
Drehbuchautor:
ONE FALSE MOVE (Carl Franklin, USA 1991; Co-Autor)
SLING BLADE (Billy Bob Thornton, USA 1996)
DADDY AND THEM (Billy Bob Thornton, USA 2001)
Regisseur:
SLING BLADE (Billy Bob Thornton, USA 1996)
ALL THE PRETTY HORSES (Billy Bob Thornton, USA 2000)
DADDY AND THEM (Billy Bob Thornton, USA 2001)
Horst Ebert
Jeweils Mittwoch um 20 Uhr im CinemaxX im K3
Eintritt: EUR 4.50, OmU = Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Vorverkauf ab Dienstag an der Kinokasse, telefonisch unter HN-9190919 oder unter www.cinemaxx.de.
Die Filmtexte entstammen auszugsweise, soweit nicht extra vermerkt, von den Seiten "www.spielfilm.de".
Unsere Aktivitäten werden gefördert durch die Stadt Heilbronn sowie die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg.