Unser Programm Juli - September 2003: Schwerpunkt "Filme aus dem Alten Europa"

Mittwoch, 2.7.2003
The Harder They Come
Jamaika 1972, 88 Min., OmU
Regie: Perry Henzel
Musik: Jimmy Cliff, Desmond Dekker, Toots and the Maytals u.a.
Darsteller: Jimmy Cliff, Janet Bartley, Carl Bradshaw
Mit Jimmy Cliff, dem Reggae-Musiker, als Volkshelden in der Hauptrolle, verweist der Film auf die elenden Zustände in den übervölkerten Slums von Kingston, der Hauptstadt Jamaikas. Der distanzierte Regiestil betont die dokumentierende Absicht des Films. So entstand, gleichberechtigt neben der eigentlichen Spielfilmhandlung, eine beeindruckende, aufrüttelnde Dokumentation über die sozialen Verhältnisse auf Jamaika. Und da der Film großen Wert auf den Reggae legt, kommen natürlich die Freunde dieser Musik voll auf ihre Kosten.


Mittwoch, 9.7.2003
All or Nothing
Großbritannien 2002, 128 Min., FSK: 12, OmU
Regie: Mike Leigh
Drehbuch: Mike Leigh
Darsteller: Timothy Spall, Lesley Manville, Ben Crompton, Ruth Sheen, Marion Bailey, Alison Garland
Supermarkt-Kassiererin Penny und Taxifahrer Phil leben am Rande des Existenzminimums in einer tristen Hochhaussiedlung am Londoner Stadtrand. Ihr Eheleben ist zur Routine geworden, ihre Liebe längst vergangen.
Die beiden erwachsenen Kinder wohnen immer noch bei den Eltern auf engstem Raum: Tochter Rachel putzt in einem Altenheim, Sohn Rory ist arbeitslos und kompensiert seinen Frust durch Aggressivität.
Als Rory bei einer Rangelei zusammenbricht und ins Krankenhaus eingeliefert wird, kommen Penny und Phil zur Besinnung und scheinen sich langsam wieder anzunähern.


Mittwoch, 16.7.2003
Conamara
Deutschland/Irland 2000, 105 Min., FSK: 12
Regie: Eoin Moore
Drehbuch: Eoin Moore, Greg O'Braonain
Darsteller: Andreas Schmidt, Ellen Ten Demme, Darragh Kelly, Rosaleen Linehan, Garrett Keogh, Maurtin Jamsie
Zwölf Jahre sind vergangen, seit Maria und Axel für ein paar Tage in Amsterdam ein Paar waren. Maria ist in heller Panik, als der Deutsche nun plötzlich vor ihrem Haus in Conamara steht. Sie hat ihrem Mann Antoine nie etwas von Axel erzählt und Axel wiederum weiß nichts von Mann und Tochter.
Doch Axel, der alle Brücken hinter sich abgebrochen hat, bleibt, um sich in Conamara eine neue Existenz aufzubauen.
Gegen Marias anfänglichen Widerstand gewinnt er die Sympathien der Dorfbewohner und steckt auch sie und Antoine mit seinen Ideen an. Aber unter der Oberfläche ihres unbekümmerten Engagements für eine neue Touristenattraktion - ein Amphibienfahrzeug, das später einmal durstige Touristen von Kneipe zu Kneipe bringen soll - gewinnt die alte Anziehung zwischen Maria und Axel die Oberhand.


Mittwoch, 23.7.2003
In Zusammenarbeit mit Heh! und AIDS-Hilfe Unterland
Sommer wie Winter ...
Frankreich 2000, 100 Min.
Regie: Sébastian Lifshitz
Drehbuch: Sébastian Lifshitz, Stéphane Bouquet
Darsteller: Jérémie Elkaîm, Stéphane Rideau, Dominique Reymond
Mathieus Familienferien in der Bretagne werden plötzlich spannend, als er den schönen und unberechenbaren Cédric trifft. Eine Romanze beginnt und Mathieu ist verwirrt und melancholisch. Das Coming-Out naht.
Was von der stürmischen Liebe im Sommer übrig bleibt, ist fast nichts: "presque rien" - so der französische Originaltitel. Die Übersetzung "Sommer wie Winter" weckt damit falsche Assoziationen, denn unterschiedlicher hätten die beiden Jahreszeiten für den gerade über seine Homosexualität gestolperten Protagonisten Mathieu nicht sein können. Durch die asketischen Mittel gelingt es Lifshitz, eine sehr natürliche, fast wahrhaftige Stimmung zu erzeugen, bei der die Darsteller bei sich sind. Sein Regiestil ist stark ausgeprägt und hat eine meisterliche Unvermitteltheit.


Mittwoch, 30.7.2003
Open Hearts (ELSKER DIG FOR EVIGT OPEN HEARTS)
Dänemark 2002, 113 Min., OmU
Regie: Susanne Bier
Drehbuch: Anders Thomas Jensen, Susanne Bier
Darsteller: Paprika Steen, Mads Mikkelsen, Ronnie Hiort Lorenzen, Birthe Neumann, Sonja Richter
Ein Dogma-Film über das Leben, das nicht geplant werden kann und über Versprechen, die nicht eingehalten werden können.
Ein junges Paar freut sich auf seine bevorstehende Hochzeit, als ein Unfall passiert.
"Du glaubst, das große Problem des heutigen Tages wäre, die ganzen Einkäufe zu erledigen - und dann wird dein Verlobter überfahren. Es ist, als wurde ein Messer durch dein Leben gestoßen. Schlimm ist das Ereignis, das stattfindet; gut ist, was danach passiert."


Mittwoch, 6.8.2003
Pigs will Fly
Deutschland 2002, 102 Min., FSK: 16
Regie: Eoin Moore
Drehbuch: Eoin Moore
Darsteller: Laura Tonke, Thomas Morris, Udo Kier, Andreas Schmidt, Steffen Münster
Einmal mehr prügelt der junge Berliner Polizist Laxe in hysterischer Eifersucht seine Frau Manuela krankenhausreif. Aber dieses Mal geht seine Umgebung nicht stillschweigend über Laxes Raserei hinweg. Laxe wird vom Dienst suspendiert. Um Abstand zu gewinnen, fliegt er kurz entschlossen zu seinem Bruder Walter, der in San Francisco eine neue Heimat gefunden hat. Die fremde Umgebung und das Wiedersehen mit Walter, der in seiner nachdenklichen, selbstkritischen Art ganz anders und seinem älteren Bruder dennoch ähnlich ist, stellen Laxes verqueres Selbstbild immer mehr in Frage. Als er sich in die rätselhafte junge Deutsche Inga verliebt, begibt sich Laxe auf einen gefährlich schmalen Grat zwischen Neubeginn und Vergangenheit.


Mittwoch, 13.8.2003
Out of Edeka
Deutschland 2001, 90 Min.
Regie: Konstantin Faigle
Drehbuch: Konstantin Faigle
Eine Real-Komödie zwischen Schokoriegeln, Stecknadeln und Brühwürfeln.
Fast 20 Jahre seines Lebens verbrachte Konstantin zwischen Brühwürfeln, Stecknadeln und alten Bananen - in einem Edeka-Laden in der schwäbischen Provinz. Im letzten Jahr wurde das Geschäft seiner Eltern geschlossen. "Out of Edeka" ist eine exotische Reise in die Ladenwelt seiner Eltern und seiner Kindheit.
Die Kurzfassung des Films wurde im Juni 2001 mit dem Bayerischen Dokumentarfilmpreis "Der Junge Löwe" ausgezeichnet. Die vorliegende Fassung ist eine 90-minütige Kinofassung, zu der im Herbst 2001 ein Neudreh stattfand. So konnte die begonnene Geschichte vollständig zu Ende erzählt werden.


Mittwoch, 20.8.2003
Lampedusa (RESPIRO)
Italien/Frankreich 2002, 90 Min., FSK: 6, OmU
Regie: Emanuele Crialese
Drehbuch: Emanuele Crialese
Darsteller: Valeria Golino, Vincenzo Amato, Francesco Casisa, Veronica D'Agostino, Filippo Pucillo
Sie heißt Grazia und ist wie das Meer: abgründig, voller Höhen und Tiefen, einmal sanft, dann wieder aggressiv, stürmisch wild. In jedem Fall zu unberechenbar, zu kompliziert für die Bewohner von Lampedusa, einer Insel im Süden Siziliens, wo man sich eben so durchs Leben schlägt.
Die Männer fahren zur See, die Frauen arbeiten in der Fischfabrik. Auf den Klippen erproben sich die Jungen in Revierkämpfen oder bei der Vogeljagd. Und abends geht es dann, fein geschniegelt und gebügelt, in die Via Roma zum Flanieren, zum alten Spiel zwischen ragazzi und ragazze. Eigentlich wäre alles in Ordnung ...


Mittwoch, 27.8.2003
Die Lady und der Herzog (L'ANGLAISE ET LE DUC)
Frankreich/Deutschland 2001, 128 Min
Regie: Eric Rohmer
Drehbuch: Eric Rohmer, Buchvorlage: Grace Elliott
Darsteller: Marie Rivière, François Marthouret, Lucy Russell, Jean-Claude Dreyfus
Im brodelnden Paris der französischen Revolution wird die mysteriöse Engländerin Grace die Geliebte des Herzogs von Orléons. Doch dann wird sie als Spionin verhaftet und gerät in einen Strudel von politischen Ereignissen - mit historischer Dimension.


Mittwoch, 3.9.2003
Army Go Home! (BUFFALO SOLDIERS)
Großbritannien/USA 2001, 94 Min., FSK: 16
Regie: Gregor Jordan
Drehbuch: Grogor Jordan, Nora MacCoby, Eric Weiss
Buchvorlage: Robert O'Connor
Darsteller: Gabriel Mann, Scott Glenn, Elizabeth McGovern, Ed Harris, Anna Paquin
Er ist nicht wirklich kriminell, aber smart. Ray Elwood versteht es, die lähmende Langeweile in einer amerikanischen Kaserne in Deutschland Gewinn bringend zu umgehen.
Zu seiner Überraschung lauert die Korruption überall, und der Ärger ist vorprogrammiert, als er sich und seine große Liebe - die Tochter seines Vorgesetzten - in Lebensgefahr bringt.


Mittwoch, 10.9.2003
Ten Minutes Older - The Trumpet
Deutschland/USA 2002, 91 Min., FSK: 6, OmU
Regie: Wim Wenders, Abbas Kiarostami, Werner Herzog, Bertrand Tavernier, Spike Lee, Aki Kaurismäki, Jim Jarmusch, Jean-Luc Godard, Kaige Chen, Victor Erice
Drehbuch: (auch ganz Viele)
Darsteller: (unzählbar Viele)
Die in einem Spielfilm kombinierten sieben, jeweils zehnminütigen Filme widmen sich dem Thema Zeit auf ganz individuelle Art und Weise.
Gedreht wurde u.a. in der Wüste Kaliforniens, in Washington, Peking und den Bergen Nordspaniens. Die Verbindungssequenzen werden durch das Trompetenspiel von Hugh Masekela untermalt.
DOGS HAVE NO HELL von Aki Kaurismäki: Der Held träumt von einer Zukunft voller harter Arbeit in den sibirischen Ölfeldern. Weil er ein Feigling ist, kann er nicht ohne ein Stück seines Vaterlandes gehen - seine zukünftige Frau und seine mentalen Belastungen.
INT.TRAILER.NIGHT von Jim Jarmusch: Eine Schauspielerin wird von ihrem Set zu ihrem Trailer gebracht. Dort verbringt sie ihre zehn Minuten Pause.
TWELVE MILES TO TRONA von Wim Wenders: Die Straße, Rock 'n' Roll und die Relativität von Zeit: nach einer persönlichen Erfahrung des Regisseurs.
WE WUZ ROBBED von Spike Lee: Ein Film über die letzte Präsidentenwahl in den USA - und die damit verbundenen Ungereimtheiten.
TEN THOUSAND YEARS OLDER von Werner Herzog: 1981 wurde der letzte versteckt lebende Stamm im brasilianischen Regenwald von der Zivilisation eingeholt. Diese Menschen wurden aus ihrer steinzeitlichen Lebensweise 10.000 Jahre in die Zukunft gestoßen.
100 FLOWERS HIDDEN DEEP von Chen Kaige: Parabel über das sich immer schneller verändernde Gesicht des modernen Peking.
LIFELINE von Victor Enrice: Eine Geburt. Mutter und Sohn schlafen friedlich ein. Plötzlich erscheint ein roter Fleck in der Windel, der sich immer weiter ausbreitet. Niemand bemerkt es.


Mittwoch, 17.9.2003
Der geplante Film Ten Minutes Older - The Cello wurde uns leider vom Verleih nach Terminbestätigung wieder storniert...
Wir zeigen stattdessen den deutschen Film "Fickende Fische". Mehr Infos dazu gibt es hier.


Mittwoch, 24.9.2003
Vaya Con Dios
Deutschland 2001, 106 Min.
Regie: Zoltan Spirandelli
Drehbuch: Zoltan Spirandelli
Darsteller: Jürgen Tarrach, Michael Gwisdek, Traugott Buhre
Seltsame Gestalten ziehen durchs Land - drei Mönche: der asketische Benno, der stets hungrige Tassilo und der Jüngste, Arbo, der noch nie eine leibhaftige Frau gesehen hat. Sie mussten ihr Klosterleben in Brandenburg hinter sich lassen. In Italien sollen noch Brüder im Geiste leben, dort wollen sie Zuflucht finden. Ihre einzige Habe sind die Kutte am Leib, ein kostbares Buch mit ihrer Ordensregel und jede Menge Gottvertrauen.
So gerüstet, begegnen sie unserem modernen Leben, voller Sünde und Versuchung, aber auch voller Überraschungen und Herausforderungen. Für Arbo hält es die größten Abenteuer überhaupt bereit: den Weg in die Freiheit, die Begegnung mit einer wunderschönen jungen Frau und die erste Liebe.


FILME AUS DEM "ALTEN EUROPA"

Die Wurzeln des Kinos liegen eindeutig im europäischen Raum, doch das wirtschaftliche Geschehen im Filmbusiness wird seit langer Zeit von Produktionsfirmen aus den Vereinigten Staaten bestimmt. Die Globalisierung der Finanzmärkte und Kapitaldienstleistungen führt zwar dazu, dass auch in den großen Hollywoodproduktionen immer mehr Finanzierungsanteile stecken, die von deutschen und europäischen Investmentfonds gespeist werden, doch das Sagen haben nach wie vor die Amerikaner.

Auch in den europäischen Kinosälen ist die Dominanz der Blockbuster aus den kalifornischen Produktionsstätten unübersehbar, wie nicht nur am derzeit allgegenwärtigen Beispiel MATRIX RELOADED deutlich wird. Massenstarts mit über 100 Kopien in allen wichtigen Städten und massivste Medienpräsenz samt ausgefeilten Merchandising-Konzepten zur Folgeauswertung auf DVD/Video, im Game-Sektor und mit allerlei Devotionalien wie Bildbänden, Plastikfiguren, Süßwaren, Getränken usw. belegen dies seit geraumer Zeit auf manchmal penetrante Weise.

Fast rührend mutet es da an, wenn europäisch-amerikanische Koproduktionen auf ähnliche Weise versuchen, sich von diesem „Kuchen“ auch ihr Stückchen zu sichern. So wurde z.B. die inhaltlich eher leichtgewichtige Süßspeise CHOCOLAT (Lasse Hallström, USA/F 2000) als DVD oder Video im Medienfachhandel im Doppelpack mit einer ansehnlichen Menge zartschmelzender Confiserie angeboten.

Abgesehen von den dickmachenden und klebrigen Aspekten dieser Geschichte wollen wir uns lieber nicht ausdenken, wie es denn gewesen wäre, wenn diese Praxis schon früher üblich gewesen wäre – Filmtitel wie „Das große Fressen„ (LA GRANDE BOUFFE, Marco Ferreri, F/I 1973) oder „Angriff der Killertomaten„ (ATTACK OF THE KILLER TOMATOES, John de Bello, USA 1978) lassen da doch eher ungute Phantasien blühen... .

Der europäische Film hat auch dem Mainstream-Kino amerikanischer Prägung immer wieder neue Impulse vermittelt. Er hat innovative Sehweisen erprobt und eingeführt und hat mit dem Autorenkino für heute arrivierte US-Regisseure wie Martin Scorsese, Robert Altman und Francis Ford Coppola den Weg dafür bereitet, alternative Produktionsbedingungen einzufordern und umzusetzen. Wenn man Vladimir Nabokovs Drehbuch zur Verfilmung seines Romans LOLITA (Stanley Kubrick, GB 1962) in dieser Frage trauen darf, dann wussten z.B. um 1960 sogar mäßig begabte pubertierende Schulmädchen in der amerikanischen Provinz darüber Bescheid, dass die „neuen europäischen Filme„ (gemeint waren wohl die Filme der Nouvelle Vague) sich für damalige Verhältnisse unerhörte Freiheiten herausnahmen. Jedenfalls äußert sich Lolita in dieser Weise gegenüber dem unglücklichen Humbert.

In der zweiten Generation haben Regisseure wie z.B. Jim Jarmusch, Billy Bob Thornton und Stephen Soderbergh den unabhängigen US-Autorenfilm weiter vorangebracht. Heute mischen alte Bekannte wie Richard Linklater (DAZED AND CONFUSED, USA 1993; TAPE, USA 2002) und Paul Thomas Anderson (MAGNOLIA, USA 1999; PUNCH-DRUNK LOVE, USA 2002) oder aufregende neue Talente wie Christopher Nolan (MEMENTO, USA 2001) und Todd Field (IN THE BEDROOM, USA 2001) die unabhängigen Festivals sowie die Kritikerspalten auf und erfreuen auch das anspruchsvollere europäische Publikum.

Im Mittelpunkt des KoKi-Programms im dritten Quartal stehen aber Filme aus Europa. Mit zwei Filmen des in Berlin lebenden irischen Regisseurs Eoin Moore wollen wir einen jungen Vertreter des europäischen Gegenwartskinos erstmals in Heilbronn vorstellen. Auf den ersten Blick haben CONAMARA (D/IRL 2000), eine im tiefen Westen Irlands spielende (Dreiecks-)Beziehungsgeschichte und PIGS WILL FLY (D 2002), in dem ein Berliner Polizist - der in seinem Privatleben zu gewalttätigen Ausbrüchen neigt - in San Francisco einen Neubeginn versucht, wenig gemeinsam. In beiden Filmen versuchen jedoch die Protagonisten, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen, was ihnen und ihrem Umfeld wenig Sicherheit bietet und dafür viel Mut, Improvisationsvermögen und Entscheidungsfähigkeit abverlangt.

Mit neueren Filmen von Mike Leigh (ALL OR NOTHING, GB 2002) und Eric Rohmer (L‘ANGLAISE ET LE DUC, F 2001) möchten wir zwei herausragende Vertreter des europäischen Autorenkinos würdigen, die – wenn man ihr Gesamtwerk vergleicht – eigentlich nicht gegensätzlicher sein könnten.

Obwohl er 2002 schon für kurze Zeit in Heilbronner Kinos zu sehen war, schien uns OPEN HEARTS (Susanne Bier, DK 2001), der nach den Dogma-Statuten produziert wurde, wichtig genug, um ihn unserem Publikum noch einmal mit einer besonderen Empfehlung zu präsentieren. Lakonisch und glaubwürdig schildert dieses atemberaubend gefilmte kleine Meisterwerk, wie aus der zufälligen Begegnung eines dänischen Arztes mit der jungen Freundin eines Patienten eine derart obsessive Beziehung entsteht, dass dieser eine scheinbar intakte Ehe und seine Kinder hinter sich lässt - mit äußerst ungewissem Ausgang.

Mit OUT OF EDEKA von Konstantin Faigle (D 2001/ 2002) können wir uns auf eine ebenso nostalgische wie schräge Reise in das Universum eines Gemischtwarenladens in der schwäbischen Provinz begeben. Ganz im Sinne von Pier Paolo Pasolini geht es dabei aber nicht nur um eine liebevolle Hommage an die Kindheit des Regisseurs, sondern auch um den fast schon anachronistisch anmutende Versuch, die „Kultur des Einzelnen“ gegen die Dominanz der Massenkultur zu verteidigen... .

VAYA CON DIOS (Zoltan Spirandelli, D 2002) beschert uns auf vielfachen Wunsch einer durchsetzungsfähigen Minderheit ein Wiedersehen (und vor allem ein Wiederhören) mit einem berauschenden Roadmovie durch Deutschland.

Zehn Minuten sind, wie Alexander Kluge in einer Erzählung schreibt, 0,0001% Lebenszeit. TEN MINUTES OLDER: THE TRUMPET (GB/D 2002) und TEN MINUTES OLDER: THE CELLO (GB/D 2002) greifen diesen Gedanken auf und variieren das Thema „Zeit“ aus der Perspektive von verschiedenen Regisseuren des europäischen und amerikanischen Autorenfilms (u.a. Werner Herzog, Aki Kaurismäki, Jim Jarmusch, Wim Wenders, Spike Lee, Bernardo Bertolucci, Mike Figgis, Jean-Luc Godard, Volker Schlöndorff und István Szabó). Die in Stil, Tempo und Inhalt höchst unterschiedlichen Episoden werden eingängig miteinander verknüpft durch Solostücke für Trompete bzw. Cello.

BUFFALO SOLDIERS (Army Go Home, Gregor Jordan, USA/GB/D 2001) ist eine europäisch-amerikanische Koproduktion, die es in sich hat und die deutlich macht, dass der Geist des „Alten Europas“ außerhalb des Pentagons und des Weißen Hauses auch in den USA heimisch ist. Die düstere Armee-Satire nach einem Roman von Robert O’Connor vermittelt einen Eindruck vom Zustand der US-Armee, der so gar nicht zum Selbstbild der strahlenden High-Tech-Streitmacht passen will, die als guter Onkel Doktor mit chirurgischen Schnitten der Welt das Böse wegoperieren möchte.

PRESQUE RIEN (Sommer wie Winter, Sébastien Lifshitz, F 2000) zeigen wir in Kooperation mit der Homosexuellen Emanzipationsgruppe Heilbronn (HEH).

Ehe wir’s vergessen: Als Nachschlag zum vergangenen Quartal haben wir - passend zum Auftritt von Jimmy Cliff auf dem Gaffenberg-Festival - nochmals THE HARDER THEY COME (Perry Henzel, Jamaika 1972) ins Programm genommen, der am 2. April 2003 wegen Lieferproblemen kurzfristig ausfallen musste - sorry für alle, die damals das Nachsehen hatten!

Horst Ebert


Jeweils Mittwoch um 20 Uhr im „CinemaxX“ im K3
Eintritt: EUR 4.50, OmU = Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Vorverkauf an der Kinokasse, telefonisch unter HN-9190919 oder unter „www.cinemaxx.de“.

Die Filmtexte entstammen auszugsweise, soweit nicht extra vermerkt, von den Seiten "www.spielfilm.de".

Unsere Aktivitäten werden gefördert durch die Stadt Heilbronn sowie die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg.