Unser Programm April - Juni 2002: Schwerpunkt "William Shakespeare im Kino"

3.4.2002: Hamlet
USA 1999, 111 Min., OmU
Regie: Michael Almereyda
Darsteller: Bill Murray, Ethan Hawke, Diane Venora
Der Film ist eine zeitgenössische Adaption von Shakespeares Klassiker: Er spielt im New York unserer Zeit, zwischen Laptops und Limousinen.
New York 2000, die eiskalte High-Tech-Welt der New Economy: Der Präsident der Denmark Corporation ist tot. Ausgerechnet sein Bruder Claudius, des Mordes an ihm nicht unverdächtig, hat seinen Posten übernommen. Nach überschaubarer Trauerzeit hat er auch die hinterbliebene Frau „übernommen”. Deren Sohn Hamlet, der verbotenerweise in die schöne Ophelia verliebt ist, leidet unter der bedrückenden Situation. Als er erkennt, dass es an ihm ist, seinen Vater zu rächen, beginnt eine unheilvolle Serie von Lügen und Intrigen, die das Leben aller Beteiligter zerstören wird.

10.4.2002: Die Frau auf der Brücke (LA FILLE SUR LE PONT)
Frankreich 1999, 92 Min., FSK: 12
Regie: Patrice Leconte
Darsteller: Daniel Auteuil, Vanessa Paradis, Claude Aufaure
Adèle ist fest davon überzeugt dass ihr ewiges Pech angeboren ist. Sie spricht aus Erfahrung, denn wo sie nur konnte, hat sie ihr Glück auf die Probe gestellt - mit jedem verfügbaren Mann, in jeder denkbaren Situation. Sogar auf der Toilette der Autobahnraststätte. Unbequem? Natürlich. Aber einen Versuch war es doch wert. Schließlich steht sie am Rand der Brücke und schaut in die Tiefe. Dann steht plötzlich ein Fremder hinter ihr. „Du siehst aus wie eine Frau, die im Begriff ist einen Fehler zu begehen”, hört sie ihn sagen ...

17.4.2002: Shakespeare in Love
USA 1998, 124 Min., FSK: 6
Regisseur: John Madden
Darsteller: Gwyneth Paltrow, Ben Affleck, Geoffrey Rush
Joseph Fiennes spielt William Shakespeare als einen überaus produktiven Schriftsteller im Jahre 1593, dem es gelingt, nur mit Worten Liebe zu machen. Aber eines Tages, als er gerade an einem neuen Stück arbeitet, hat er eine Schreibblockade. Kein Zauber kann ihm seine Gabe zurückbringen, bis er auf eine junge Frau trifft, die ihm sein Herz stiehlt. Sie inspiriert ihn zu der berühmtesten Liebesgeschichte aller Zeiten und wird seine Julia.
Eine wunderbar leichte und romantische Komödie, die das Leben vor die Kunst stellt. Schon lange hat kein Film mehr auf derart hohem Niveau geistreich und brillant unterhalten.

24.4.2002: Ghost World
USA 2000, 111 Min., FSK: 6
Regie: Terry Zwigoff
Darsteller: Steve Buscemi, Illeana Douglas, Thora Birch
Daniel Clowes zählt zu den herausragenden Autoren zeitgenössischer Comic-Literatur in den USA. Mit „Ghost World” hat er eine einfühlsame Geschichte über die Erlebniswelt amerikanischer Highschool-Kids geschaffen. Nun ist unter der Regie von Terry Zwigoff eine der wenigen Comic-Verfilmungen abseits von X-Men, Batman und Judge Dread entstanden:
Die Freundinnen Enid und Rebecca haben ihren Highschool-Abschluss geschafft, wissen jedoch nicht, wie es weitergehen soll und was der Sommer so bringt. In schlechten Nebenjobs und mit scheinbarem Pech in der Liebe plätschert die Zeit ohne Affären und romantische Aben-teuer trostlos dahin. Bis schließlich ...

1.5.2002: Brendan trifft Trudy (WHEN BRENDAN MET TRUDY)
GB/Irland 2000, FSK: 6
Regisseur: Kieron J. Walsh
Darsteller: Gabriel Byrne, Peter McDonald, Paulyn McLynn
Brendan ist ein schüchterner und reichlich stoffeliger Lehrer, der mehr in der Fantasiewelt seiner cinéastischen Obsessionen als in der Realität lebt. Eines Tages tritt dann in Form der quirligen Trudy das schiere charakterliche Gegenteil in sein Leben. Brendans brave und behütete Welt steht fortan Kopf.
Das Drehbuch stammt aus der Feder von Roddy Doyle, einem der bekanntesten irischen Romanautoren. Aus drei seiner Werke hat er Drehbücher für berühmte Filme verfasst (Commitments, Snapper, Fisch & Chips). „Brendan trifft Trudy” ist nun sein erstes Original-Drehbuch.

8.5.2002: Black and White
USA 1999, 98 Min., FSK: 16, OmU
Regie: James Toback
Darsteller: Ben Stiller, Claudia Schiffer, Mike Tyson
New York. Eine Gruppe von jungen Weißen ist extrem fasziniert von der schwarzen Hip-Hop-Kultur. Schwarz (uptown) und Weiß (downtown) nähern sich an. Eine freche und gleichermaßen komische Geschichte um einen Mord, eine Erpressung und einen windigen Cop beginnt. Es sind vor allem die spontanen, weitgehend improvisierten Szenen, die diesen Film besonders unterhaltsam machen. Allein schon Robert Downeys völlig aussichtsloses Unterfangen, mit dem homophoben Boxidol Mike Tyson anzubandeln, hebt diese interessante, unvorhersehbare, spannende und oft sehr komische Pseudo-Dokumentation aus dem sattsam bekannten Kino-Einheitsbrei heraus.

15.5.2002: Reise nach Kandahar (SAFAR E GANDEHAR)
Iran/Frankreich 2001, 85 Min., FSK: 12
Regie: Mohsen Makhmalbaf
Darsteller: Niloufar Pazira, Hassan Tantai, Sadou Taimouri
Nafas ist eine junge afghanische Journalistin, die im Asyl in Kanada lebt. Eines Tages erhält sie einen verzweifelten Brief von ihrer Schwe-ster, die in Afghanistan zurückblieb: Sie will ihrem Leben zur anstehen-den Sonnenfinsternis ein Ende setzen. Nafas entscheidet sich, ihrer Schwester in Kandahar zu helfen und die Grenze zwischen Iran und Af-ghanistan zu überqueren.
Es ist eine ironisch-perverse Fügung des Schicksals, dass Mohsen Mak-hmalbafs Gesellschaftsdrama durch die Ereignisse des 11. September und dem, was folgte, an Wahrnehmungsqualität gewinnen dürfte. Spätestens seit amerikanische Bomber in immer neuen Wellen über Afghanistan ihre zerstörerische Fracht abwarfen, hat die mediale Wirklichkeit dem Namen Kandahar einen Ort sowie einen Inhalt gegeben: Hochburg des Taliban-Regimes in den Bergen Afghanistans. Mit dieser symbolischen Bürde muss der Film umgehen, denn neben einem gesteigerten Interesse sieht man ihn zwangsläufig auch mit anderen Augen.
Die Ak-tualität und die Nähe, welche über das Fernsehen hergestellt werden, führen zu einem Betroffenheitsblick. Und so gewinnt der Film durch die Form der fiktiven Dokumentation an Intensität. Er stillt auf ideale Weise das Bedürfnis nach Informationen über das unbe-kannte Regime, das inzwischen ein Fall für die Geschichtsbücher ge-worden ist. Ohne, wie eine echte Dokumentation, auf das Auffinden der richtigen Bilder angewiesen zu sein, kann er sie inszenieren. Da filmt Makhmalbaf an einer Stelle Verkrüppelte, die sich mit ihren Krücken auf von der UNO per Fallschirm abgeworfene Beinprothesen stürzen. Das Grauen des Leids ergießt sich in einem Bild von makaber-rauher Schönheit. Gerade dadurch erzwingt der Film eine Eindringlichkeit, da im Kontrast aus Bild und seinem Inhalt der Seheindruck nachhaltig hinterfragt wird. Der gängigen Nachrichten-Wirklichkeit läuft der Film geschickt zuwider, während er gleichzeitig den Verhält-nissen aus der Kriegsrealität des Jahres 1999 sowie der allgegenwärtigen Unterdrückung ein Gesicht gibt.

22.5.2002: Orson Welles' Othello (OTHELLO)
Marokko/GB 1949-52/91, 91 Min., FSK: 16
Regie: Orson Welles
Darsteller: Orson Welles, Michael MacLiammoir, Suzanne Cloutier
Ot-hello, stolzer Heerführer im Dienst der Republik Venedig, wird Opfer der Intrige Jagos und tötet aus Eifersucht seine über alles geliebte Des-demona. Der Film kam erstmals 1955 in die Kinos; die 1991 in England rekonstruierte, musikalisch bearbeitete Fassung ermöglicht die faszinierende Wiederbegegnung mit einem Klassiker der Literatur, der hier auch zum Klassiker der Filmgeschichte wird: Welles verdichtet die Geschichte zu einem expressionistischen Licht- und Schattenspiel um den archaischen Kampf von Gut und Böse, wobei vor allem die atmosphärische Dichte und die barocke Fülle der Regieeinfälle fesseln.

29.5.2002: Best in Show
USA 2000, 87 Min.
Regie: Christopher Guest
Darsteller: Bob Balaban, Parker Posey, Christopher Guest
Die Mayflower-Hunde-Show in Philadelphia ist das größte Ereignis im Leben vieler amerikanischer Vierbeiner und deren Herrchen und Frauchen. Und so tummeln sich die unterschiedlichsten Hunde und Besitzer am Tag des großen Ereignisses bei der Show. Nicht immer nur liebevoll nähert sich Christopher Guest seinen Charakteren sowie ihrer Leidenschaften (also: genau genommen nähert er sich den Hunden ausnahmslos liebevoll, deren Besitzern dagegen ausnahmslos bissig!). Ein Film für Hunde-Freunde und Menschen- , na ja, -Zweifler.

5.6.2002: William Shakespeares Romeo & Julia
USA 1996, 120 Min., FSK: 12
Regie: Baz Luhrmann
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Claire Danes, Paul Sorvino
Aus Versatzstücken des aktuellen Actionkinos, der Popmusik-Kultur, einer gehörigen Dosis religiösem Kitsch und dem 400 Jahre alten Originaltext entstand eine fulminante Version der Shakespeareschen Liebestragödie. „William Shakespeares Romeo & Julia” ist ein spannender Versuch, den Klassiker in einem aktuellen Kontext der Reflexion über Gewalt und moderne Medienkultur anzusiedeln.

12.6.2002: Frauen unter sich (AGNES BROWNE)
USA 1999, 92 Min., FSK: 6, OmU
Regie: Anjelica Huston
Darsteller: Anjelica Huston, Ray Winstone, Marion O'Dwyer
Irland, 1967: Ein Arbeiterviertel in Dublin ist die kleine Welt der Agnes Browne. Ständige Geldknappheit und die Sorge um ihre sieben Kinder bestimmen ihr Leben. Der einzige Farbtupfer in ihrem tristen Alltag sind der gelegentliche Besuch im Pub mit ihrer besten Freundin Marion und ihre Schwärmerei für Popstar Tom Jones. Als ein skrupelloser Kredithai säumige Zinszahlungen einfordert, tritt „Tiger” Tom Jones persönlich an, um seinem größten Fan unter die Arme zu greifen.

19.6.2002: Almost Famous - Fast Berühmt (ALMOST FAMOUS)
USA 2000, 122 Min., FSK: 12
Regie: Cameron Crowe
Darsteller: Jason Lee, Frances McDormand, Kate Hudson
USA, Anfang der 70er: Der 15-jährige William hat Glück - seine Musik-leidenschaft bietet ihm überraschend die Chance, für das renommierte Rolling Stone Magazine über die US-Tournee der Band Stillwater zu schreiben. William sitzt also neben seinen Idolen im Tour-Bus und wird Zeuge des Mythos Rock`n´Roll. Statt weniger Tage begleitet er die Band schließlich über mehrere Wochen und aus einem kurzen Artikel wächst eine Coverstory, die nicht nur das Leben der Band verändert.
Nur wenige gute Filme schaffen es, dass man am Ende ihren Figuren so nahe gekommen ist, als seien es die eigenen besten Freunde: Man will sie nicht mehr missen. „Almost Famous” ist so ein Film.
Crowe fährt in immensem Detailreichtum den Zeitgeist seiner Jugend vor, als wäre sie nie vergangen. Verklärung und Wehmut verschmelzen zu einer langen Reise zur Unschuld, herzlich und verschmitzt erzählt, voller liebenswerter Figuren und einem wunderbaren Score, der bewusst nicht die Gassenhauer, sondern eine feine Auswahl unbekannterer Songs spielt.
Unvergleichlich charmant sorgt dieses Kleinod dafür, dass nicht nur Nostalgiker, sondern jeder Zuschauer angesprochen wird, der auf die - im besten Sinne altmodische - Kunst des Erzählens vertraut. Es ist schwer nachzuvollziehen, wieso "Almost Famous" mit nur einem Oscar für das adaptierte Drehbuch bedacht wurde.

26.6.2002: In stürmischen Zeiten (THE MAN WHO CRIED)
GB/F 2000, 98 Min., OmU
Regie: Sally Potter
Darsteller: Cate Blanchett, Christina Ricci, Johnny Depp
Russland, 1927: Die junge Jüdin Fegele muss aus ihrer Heimat Russland fliehen. Ihr Weg führt über ein Londoner Waisenhaus bis an die Pariser Oper. Yiddisch darf sie nicht mehr sprechen und sie bekommt einen neuen Namen: Suzie. An der Oper trifft sie auf die russische Tänzerin Lola, den arroganten Tenor Dante und den Zigeuner Cesar - in den sie sich verliebt. Ihr größter Wunsch ist, ihren Vater wieder zu finden, der Russland noch eher als sie verlassen musste, und dessen Spur sich in Amerika verliert. Schließlich nehmen die Nazis Paris ein. Suzie muss sich entscheiden, ob sie abermals fliehen wird.


Jeweils Mittwoch um 20 Uhr im „CinemaxX“ im K3, Eintritt: EUR 4.50.
OmU = Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Vorverkauf ab Dienstag an der Kinokasse, telefonisch unter HN-9190919 oder unter „www.cinemaxx.de“.

Die Filmtexte entstammen auszugsweise, soweit nicht extra vermerkt, von den Seiten "www.spielfilm.de".

Unsere Aktivitäten werden gefördert durch die Stadt Heilbronn sowie die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg.